Paspeltasche

Vor ein paar Wochen habe ich mir weiße Gabardine gekauft (war im Angebot und schrie: Nimm mich mit, nimm mich mit!). Am Samstag habe ich mir dann einen Schnitt für das Stöffchen  rausgesucht. Es sollte der Kasak 106 aus der Burda 7/2009 werden.

Das Modell ist in Kurzgröße, aber das sollte ja kein Problem darstellen.

Ich habe die 10 Schnittteile rauskopiert und die Vorder-, Seiten- und Rückenteile entsprechend vergrößert. Nachdem ich dann alles auf den Stoff übertragen und zugeschnitten hatte, gings ans Verstärken. Bis ich dann endlich alles vor mir liegen hatte, war mir schon fast die Lust vergangen, die Teile zusammenzunähen...

Nach ein paar ernsten Wörtchen mit meiner Ovi habe ich Vorder-, Seiten- und Rückenteil versäubert und zusammengenäht. Danach gings an die Paspeltasche.

Kein Problem, dachte ich, ist ja nicht meine erste Paspeltasche.
Also los.
Markierung aufmalen, Paspel annähen, Taschenbeutel annähen, Markierung aufschneiden, Paspel durch, Beutel durch - und jetzt soll ich WAS machen? Den Futtertaschenbeutel an die Nahtzugabe der Paspelansatznähte steppen? Häää?
Was war nochmal die Paspelansatznaht?? Ach, da... Mhm, mhm, und wie soll ich jetzt die Dreiecke nach innen ziehen und festnähen?
Und warum zum Henker ist die Nahtzugabe von der Seitennaht so verdammt nah an der Ecke von der Paspel?
Plöpp, schon wieder ist die Paspel weggeklappt....
Himmelherrgottnochmal, warum ist das so eng in der Ecke da?


Langsam werde ich ungehalten. Das ist eine Paspel, und keine OP am offenen Herzen. Das kann so schwer ja wohl nicht sein!

Zuppel, zuppel ............. aaaaaaahhhhhhh, so war das mit dem Annähen der kleinen Dreieckchen. Trotzdem macht mich die Nahtzugabe der Seitennaht verrückt.
Ein Blick auf das Schnittmuster verrät, dass es wirklich so angedacht ist. Würden die Taschen weiter weg von der Seitennaht sein, kämen sich die Taschenbeutel in die Quere. Dabei sind die Dinger doch schon so klein.

Ich stelle mir die Frage, ob ich den Beutel nicht einfach weglassen und die Paspel zunähen soll. Außerdem will das einfach nicht klappen. Der Paspelausschnitt leiert und franselt sekündlich immer mehr aus, ich bekomme die Ecken nicht richtig hin.... kurz: Es ist der Wurm drin.

Am Ende des Tages sieht mein Projekt dann so aus:


Zwei Nähte genäht, und zwei Paspel verhunzt.
Seht Ihr die Taschenbeutel da durchschimmern?? Nicht schön.
Und seht Ihr, wie faltig die oberen Paspelecken sind? Auch nicht schön.

Wenn das Verstärken von zig Teilen nicht umsonst gewesen sein soll, bleibt mir nichts anderes übrig, als das Vorder- und die Seitenteile nochmal zuzuschneiden. Beim zweiten Versuch, die Paspeltasche zu nähen, werde ich den Eingriff ebenfalls verstärken, denn es ist mir fast unmöglich, einen sauberen Schnittt hinzukriegen. Gerade die oberen Ecken scheinen ein Eigenleben zu entwickeln. Es ist so, als würde ich eine Mullbinde zerschneiden.

Im Moment erinnert mich das ganze Ding eher an eine Küchenschürze, aber ich denke, wenn der Kragen noch drankommt, der aus dem gleichen Stoff wie die Paspel sein wird, dann sieht das alles gleich anders aus.

Aber erstmal wird die Paspel bezwungen!



Kommentare:

  1. Hallo Sandra! Ich versuche mir bei solchen Projekten immer zu segen, dass ich am Ende doch viel dabei gelernt habe. Also, Kopf hoch, probier´s weiter. Viele Grüße, Anni (die im übrigen noch kaum eine tragbar Klamotte fabriziert hat, die Ergebnisse haben meinem Trageanspruch nie genügt :-( .

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  2. Hallo Sandra,
    ich finde es toll, daß du nicht aufgibst. Wie AnniMakes auch schrieb, lernt man immer etwas dabei.
    Vlieseline unter dem Tascheneingriff ist auf jeden Fall empfehlenswert.
    Der Schnitt gefällt mir sehr gut. Leider habe ich ausgerechnet dieses Heft nicht. Vielleicht gibt es den inzwischen als Fertigschnitt.
    Viel "Durchhaltevermögen" auch weiterhin wünscht dir
    Heike

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Vielen Dank für Deinen Kommentar. Ich freue mich sehr darüber!