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Die Sache mit der Burda

Vor ein paar Tagen bekam ich von Anja die Frage gestellt, ob ich nicht mal etwas anderes als Burda nähen möchte. Ganz spontan antwortete ich gedanklich: "Nö." Als Antwort zu Anjas liebem Kommentar wollte ich das natürlich nicht schreiben – wäre es doch sehr seltsam rübergekommen. Ausufernd wollte ich aber auch nicht werden, also liegt es nahe, meine Hass-Liebe zu den Burdaschnitten doch mal in einem Extra-Post darzulegen. Lustiger Weise nimmt mir FrauvonWelt mit ihrem MMM-Beitrag die Wörter aus dem Mund....

Ich wollte nie Klamotten nähen, weil ich das als ziemlich spießig empfand. Dummerweise fiel mir dann an einer Tanke die Burda in die Hände, und ich verliebte mich ganz spontan in den Mantel, der auf der Titelseite gezeigt wurde. Beim Durchblättern sah ich noch mehr Klamotten, die mir gefielen – und somit war es um mich geschehen. Die Burda kam mit mir zur Kasse, mit ins Auto, mit nach Hause. „Das ist alles gekennzeichnet – so schwer kann es nicht sein, die Nummern aneinander zu nähen!“

Wie gesagt: Ich hatte vom Nähen keine Ahnung.  Die ganzen Begriffe wie Passe, Beleg, Nahtzugabe oder Umbruch waren absolutes Neuland. Was ich schnell herausfand: Mein Wunschobjekt gab´s nicht in meiner Größe. Aber das war mir inzwischen wurscht, es gab ja so vieles, was von mir genäht werden wollte!

Ich setzte mich mit Burda auseinander, kaufte Stoff und ein Buch – und produzierte nur Mist. Ich weiß nicht, wie viele Teile im Müll landeten, weil ich einfach nicht weiterkam. Es war zum Heulen. Die einfachsten Dinge gelangen mir nicht. An allen Anfängerteilen scheiterte ich kläglich.

Irgendwann raffte ich mich auf und besuchte einen Nähkurs. Die Kursleiterin war sehr nett, konnte mir bei einigen UFO´s helfen, schob aber die Burda mit den Anleitungen darin immer beiseite. Das fand ich sehr schade, denn irgendwie erhoffte ich mir, in diesem Kurs nicht nur das Nähen zu lernen, sondern vor allen Dingen das Verstehen dieser Anleitungen!

Längst hatte ich ein Abo, aber immer noch keinen richtigen Plan. Nach meinem Kurs wurde es etwas besser – trotzdem füllte sich mein Mülleimer immer mit versauten Projekten. Verschnitten, vernäht, zu groß, zu klein – ich ließ nichts aus.

Dann entdeckte ich die nähende Bloggerwelt. Zuerst klickte ich mich von Bastelblog zu Bastelblog, sah selbstgenähte Taschen und Geldbeutel und fing an, mich damit zu beschäftigen. Weg von Burda, hin zu den Mädels, die mit Bildern und eigenen Worten erklären, wie sie was machen. Auf einmal fiel mir vieles leichter.

Von den Bastelblogs war es nicht mehr weit zu den Näh-Nerds, die sich im Netz tummeln. ABER: Keine der Damen nähte nach Burda. Vereinzelt tauchte hier und da mal etwas auf, aber es war wirklich sehr, sehr selten. Woran lag das?

Ich absolvierte noch zwei Kurse, danach gings tatsächlich bergauf. Ich stellte fest, dass die Anleitungen der Burda, die ich nie verstanden habe, auf einmal verständlicher wurden. Das lag hauptsächlich wohl daran, dass ich inzwischen auch etwas mehr Ahnung vom Nähen hatte!

Die Näh-Blogs wurden bald wie eine Droge für mich. Jeden Abend klickte ich mich durch die Vielzahl der selbstgenähten Kleider und Röcke. Ich kam auch hinter das Geheimnis der Burda-Phobie: Es waren die Anleitungen, die niemand verstand, es waren die Passformprobleme, es war der unübersichtliche Schnittbogen, die Modelle waren zu spießig.... Jede hatte ihren Grund, auf Burda zu schimpfen. Wie ich auch. Trotzdem besorgte ich mir nichts anderes, sondern nähte weiter meine Burdaschnitte, kämpfte mich Stück für Stück durch die Anleitungen - und gaaaanz langsam kamen wir uns doch tatsächlich näher.

Natürlich habe ich auch schon in andere Nähzeitschriften reingeblättert. Ottobre, Meine Nähmode (Simplicity) und die Inspiration (von Bernina) lagen bei mir schon auf dem Nähtisch. Das ist natürlich nur eine ganz, ganz kleine Auswahl, aber es weckt auch keine Bedürfnisse nach mehr. Bei der Ottobre vermisse ich Pass- und Nahtzeichen, bei Simplicity geht mir das "Eine Anleitung für zehn Modelle"-System ziemlich auf den Wecker und für die Inspiration fehlt es mir persönlich an zehn Jahren Näherfahrung, bis ich diese - doch sehr stark verkürzte - Anleitung verstehe.

Im Gegensatz zu anderen Bloggerinnen verfolge ich keinen bestimmten Stil. Ich nähe, was mir gefällt, was zu mir passt. Ich probiere aus, und lerne bei jedem Teil etwas dazu. Inzwischen ist es sogar schon so, dass ich - ICH! - anderen eine Hilfestellung geben kann. Und ich bin manchmal verwundert, was Nicht-Burda-Näherinnen für Fragen haben. Ich bin erstaunt darüber, welch großer Anklang ein Post findet, in dem ein "Trick" gezeigt wird, der bei Burda in jeder Anleitung umgesetzt wird. Scheinbar werden solche kleine Kleinigkeiten von anderen Schnittmusterherstellern gar nicht erwähnt.

Passformprobleme scheint es überall zu geben. Davon kann ich auch ein Lied singen, aber ist das wirklich das Problem von Burda? Liegt es nicht an mir, wenn die Schultern zu breit, die Taille zu schmal und der Hintern zu flach ist? Mhm.

Also, ich bleibe Burda treu. Gerne blättere ich durch andere Zeitschriften und versuche mich auch daran, aber ich freue mich jeden Monat auf die neue Ausgabe der Burda. Und ich freue mich, wenn ich andere Mädels im Netz finde, die gerne mit und nach Burda arbeiten. Das gibt mir das Gefühl, keine Aussätzige zu sein.

Ja, burdarisch muss man lernen. Ja, die Fotos sind Müll. Ja, die Modelle sind Geschmackssache.

Und trotz allem: Ja, ich mag Burda!

Kommentare

  1. Oh, wie schön, dass ich dich zu diesem Post motiviert habe! Ich muss ja an dieser Stelle zugeben, dass ich mir auch fast jede Ausgabe der Burda kaufe, aber nahezu nichts danach nähe! Ich nutze die Zeitschrift als Inspirationsquelle, welche Stoffe und Muster ich für welche Schnitte verwenden könnte. Ich muss auch sagen, dass mir die Fotos gut gefallen. Liebe Grüße, Anja

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  2. Also ich hab auch ne ganze Burda-Sammlung - aber ich kaufe mir nicht jede neue Ausgabe - ich hab einfach noch zu viele ungenähte Modelle - da muss schon was ganz besonderes drin sein, dass ich mir jetzt wieder eine kaufe... Meine Passformprobleme habe ich auch... meistens nehme ich (entgegen aller Maßtabellen) die 38 und bei Jersey lass ich sogar noch die Nahtzugabe weg - dann passt es halbwegs - generell finde ich, dass die Sachen eher groß ausfallen. - Außer bei den Kinderklamotten - die find ich relativ klein - die sind wohl anders gradiert. Da muss ich für meinen 122/128 er Bub ne 134/140 zuschneiden und die passt grad so. - Du bist also keine Aussätzige ;-) - Mein Kostüm, welches in der Endphase ist, ist auch nach Burda mit kleinen Schnittanpassungen - ebenso die Kleider, Hosen und Shirts die ich bisher genäht habe. Liebe Grüße

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  3. Ich kann dir da nur zu stimmen! Ich mag auch die Burda und habe sie mittlerweile seit 10 Jahren abonniert. Neben der Burda kaufe ich auch Knipmode und Patrones, aber am Ende nähe ich doch das meiste aus der Burda. Das Problem an der Burda ist glaube ich gar nicht die Passform, sondern die Maßtabelle, die einem einredet, dass man die größere Größe nähen soll. Seit ich eine Größe kleiner nähe als die Maßtabelle vorschlägt, sitzt alles perfekt ohne es vorher groß anprobieren zu müssen. Die Anleitungen lasse ich einfach links liegen und dann gelingt es auch mit dem Zusammennähen :)

    Schönes Wochenende!
    Julia

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  4. Burda ist und bleibt, meiner Meinung nach, die beste Nähzeitschrift. Es ist ganz normal das einem nicht jede Ausgabe gefallen kann. Manchmal gibt es leider sehr durchschnittliche bis schlechte Hefte mit gar nicht so guten Schnitten (besonders im Sommer) aber dann habe ich wieder Ausgaben die sind so gut, daß ich jedes einzelne Modell nähen will. Gelingt mir selten:-)
    Die Schnitte sind gut und die Anleitungen muß man verstehen lernen...........aber es gibt ja auch nette Damen bei Burda die man anrufen kann wenn man Fragen hat. Wer bietet das schon?
    Passformprobleme sind völlig normal, denn jeder Mensch ist individuell, wie sind ja nicht geklont, aber beim selber nähen kann man kleine Passformprobleme ja leicht in den Griff bekommen.
    Die Größentabelle bei Burda ist allerdings wirklich sehr merkwürdig. Wenn ich meine Größe nach Brust-, Hüftumfang etc. von Burda definieren würde wäre ich bei einer 46, allerdings reicht mir eine Gr. 40.
    Aber das lernt man und sobald man seine Burda-Größe gefunden hat passen die Schnitte wunderbar.
    Simplicity-Schnitte finde ich sehr langweilig und oft recht altmodisch. Butterick hat oft sehr schöne einfache Schnitte für schöne Alltagsmode. Allerdings, da es sich hier offenbar um Schnittmuster für die amerikanische Durchschnittsfrau handelt, fallen die immer zu groß aus. Und auch in der kleinsten Größe sind Butterick-Schnitte wohl für "Hamburger-gestählte" Körperformen geschaffen, nichts für normale weibliche Figuren.
    Vogue-Schnitte sind noch eine sehr gute Alternative, oft sehr schick und viele zeitlos elegante Schnitte.

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  5. Ich nähe auch fast nur nach Burda. Anfangs habe ich den Fehler gemacht, mir als echte Anfängerin zu schwere Modelle auszusuchen und mich nicht an die Anleitung zu halten (weil ich sie nicht verstand bzw. sich mir, wegen des mangelnden Überblicks der Sinn nicht erschloss). Damals war Nähen keine Entspannung sondern Stress pur, am Ende kam oft genug Müll nach stundenlanger Arbeit heraus. Ich habe mir dann selber verordnet, nur wirklich für Anfänger geeignete Modelle zu nähen, mir die Burda-Nähschule zugelegt und mich an die Anleitungen gehalten, die ich bei den simplen Modellen auch nachvollziehen konnte. Ziemlich schnell konnte ich die Schwierigkeit erhöhen und stellte während des Nähens fest, dass ich weiß, was und warum ich es tue. Es kommt immer noch manchmal Murks heraus oder Sachen, die zwar gut gemacht sind, die ich aber nicht wirklich trage. Das liegt aber nicht an Burda, sondern daran, dass ich zwar in der Theorie weiß, was für Schnitte mir stehen, das aber nicht immer umsetze oder letztlich doch das falsche Material oder eine nicht gut kombinierbare Farbe wähle. Außerdem neige ich dazu, zu bequem ( = zu groß) zu nähen.

    Ich mag an der Burda gerade die Fotos, auch wenn sie den Schnitt oft nur erahnen lassen. Zur Entscheidung gibt es dann ja immer noch die technischen Zeichnungen.
    Die "Meine Nähmode" kaufe ich auch manchmal und habe auch schon etwas genäht ( was auch gut geklappt hat), aber die Zeitschrift ist einfach nicht so fürs Auge wie die Burda.

    Ich bin gespannt, auf den zweiten Rock zu deinem Blazer. Der erste sieht gut aus, ich finde ihn aber auch nicht optimal zum Blazer, es sind zwei schöne Einzelteile, die man durchaus gemeinsam tragen kann, sie wirken aber nicht wie eine Einheit.
    Grüße von Katja

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