Vibrant Saffron wird gefüttert

Ja, hier bekommt nicht nur der Hund sein Futter, mein Mantel kam auch in den Genuss. Das war jetzt mein drittes Teil, welches ich gefüttert habe. Es ist noch lange keine Routine drin, aber ganz so schwer fällt es mir nicht mehr. Und der Mantel war wirklich einfach zu füttern. Seht selbst:

 

Das ist der Mantel aus der Ottobre 5/2013. Er hat wenig Teile - vor allen Dingen keinen Beleg, der zwischen Kragen und Futter genäht wird. Daran bin ich schon verzweifelt...... Aber dieser Mantel erschien mir nicht so kompliziert, also habe ich mich rangewagt. Mein Oberstoff ist eine dunkelblaue Gabardine. Das Futter ist ein dunkelblauer Jersey, der mit Fleece gefüttert ist.

Los gehts. Oberstoff und Futter müssen zusammengenäht werden.
Dazu werden beide Jacken auf links gedreht, auch die Ärmel werden auf links gezogen. Dann werden die Jacken rechts auf rechts aufeinander gelegt. Der Kragen wird eingefach zwischengefasst und ist jetzt auch nicht zu sehen.


Dann habe ich in einer Rutsche einmal rundrum genäht - nur der Saum ist jetzt noch offen.
Die Nahtzugabe an den Reversecken werden abgeschnitten, in die Ecken vom Kragen wird bis zur Naht eingeschnitten.

Einschneiden und Abschneiden kostet mich schon lange nicht mehr so eine Überwindung wie früher. Trotzdem habe ich immer ein blödes Gefühl dabei. Aber ohne diese Schnitte geht es oftmals einfach nicht.

Als nächstes werden die Ärmelsäume genäht.

So soll es von außen aussehen:


und so von innen:


Bei solchen Arbeitsschritten, die ich nicht auf Anhieb nachvollziehen kann, quäle ich mich nicht mit der Beschreibung, sondern lege mir den Stoff so, wie es mal werden soll. Manchmal fällt es mir leichter, das Pferd von hinten aufzusäumen. Also habe ich den Mantel wieder auf rechts gedreht, den Futterärmel in den Oberstoffärmel geschoben und die Nahtzugaben beider Säume nach links gelegt, damit die rechten Seiten aufeinanderliegen - so wie im Bild oben. Dann bin ich mit der Hand vom Saum aus zwischen Ober- und Futterstoff hoch bis zum Ärmel, und weiter zwischen den beiden Stofflagen, bis ich die Nahtzugaben der Ärmelsäume zu fassen bekam. Gut festhalten und wieder rausziehen! Jetzt noch ein bisschen schön hinlegen, Naht auf Naht, und dann kann es zusammengenäht werden.


Manchmal kann man das gar nicht glauben, dass das funktionieren soll. Klappt aber. Beim zweiten Ärmel wusste ich Bescheid und konnte sie direkt "wie Faust auf Faust" aufeinanderstecken.

Jetzt muss noch der Saum mit dem Futter verstürzt werden. Auch hier wird Ober- und Futterstoff rechts auf rechts aufeinander gelegt und gesteppt. Der vordere Besatz (das ist das kleine dunkle Stück auf der rechten Seite) bleibt offen, der muss mit der Hand genäht werden, wenn man von rechts keine Naht sehen will. 


Jetzt wird es nochmal spannend. In der Ärmelnaht vom Futter habe ich eine große Öffnung gelassen,
denn dadurch wird der Mantel jetzt gewendet.


Schön langsam habe ich den Mantel da durchgeschoben - und auf einmal war alles richtig. Erstaunlich, welche Wunder die Nähwelt zu bieten hat ;-)

Die Wendeöffnung im Ärmel muss anschließend noch zugenäht werden. Weil das nun wirklich kein Mensch sieht, und mein Futter soviel Spielraum hatte, habe ich das mit der Maschine gemacht. 


Schön aufpassen, dass man den Oberstoff nicht mit festnäht! Dann wird auch der zweite Ärmel auf rechts gedreht und voilà! Fertig ist der Mantel!


Aber natürlich geht es bei mir nicht ohne Fehler. Der Kragen ist nicht richtig genäht - da hätte noch ein gutes Stück an den Beleg gemusst. Es gibt sogar ein Passzeichen, aber es ist mir einfach nicht in den Sinn gekommen, dass das für den Kragen ist. Es ist mir zwar früh genug aufgefallen, so dass ich es noch hätte korrigieren können, aber so schlecht finde ich meinen Fehler-Kragen nicht.


Nennen wird es mal: Künstlerische Freiheit.
Mehr KünsterInnen gibt es dienstag wie immer auf dem CreaDienstag-Blog zu bestaunen.


Kommentare

  1. Tolle Arbeit! Den Fehler hätte ich nie gesehen. Die Kontrastnähte sind richtig schick!.
    Liebe Grüße
    Jennifer

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  2. Hut ab, eine tolle Leistung! Ich fütter erstmal nur den Hund ;-))
    LG,
    Kathrin

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  3. Toller Mantel. Das Wenden finde ich auch immer sehr spannend. Große Freude, wenn
    alles da ist, wo es hin soll.
    Viele Grüße

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  4. Der Mantel gefällt mir ausgesprochen gut!

    LG
    Frau H.

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  5. Toller Mantel und durch den "Fehler" ist er ganz außergewöhnlich geworden.
    LG Brit

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  6. Ich nähe ja auch gerade eine Mantel, zum Füttern dürfte ich ende der Woche kommen, weshalb ich deinen Beitrag mit Spannung gelesen habe. Eine gute Idee, einen Jersey zu verwenden, das hört sich schon beim nähen angenehm kuschlig an. Der Oberstoff mit den Kontrastnähten macht wirklich was her und der "Fehlerkragen" fällt nun wirklich nicht auf! Liebe Grüße, Anni

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  7. Hut ab, der Mantel sieht super aus, tolles Teil...Ich werd mich auch mal daranwagen, obwohl mir so ein Projekt etwas Magenschmerzen macht :-)
    L.G. Jutta

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  8. Aufwändig, weil nicht nur gefüttert, auch noch wattiert... an dem Stück hast Du sicher lange Freude :-)
    Lieben Gruß aus Südtirol
    Kebo

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