Eigentlich.

"Eigentlich" ist die kleine Schwester von "Hätte-hätte-Fahrradkette".
Eigentlich verlasse ich meinen Arbeitsplatz nicht so, sondern ich räume auf. Außer, ich habe so viel Wut im Bauch, dass ich eine Gefahr für meine Nähmaschine darstelle.


Das Weiße, was hier so zerknittert auf der rechten Tischhälfte liegt, dass ist meine Mai-Inspiration. Und zwar am Samstag Abend. Eigentlich wollte ich das Kleid sonntags zur Konfirmation anziehen, denn der Wettergott hatte mich erhört, und Temperaturen für ärmellose Kleider angekündigt.

Weil ich aber mal wieder schnell-schnell das Kleid auf den letzten Drücker fertig machen wollte, habe ich nicht darauf geachtet, dass ich eine vernünftige Nahtlinie am Armloch habe.


So wie das Schnittmuster hier liegt, habe ich auf alle Fälle nicht genäht.
Ehrlich gesagt wusste ich auch nicht, wo genau der Punkt ist, an dem das rechte Teil angenäht wird. Ich habe einfach mal gemacht. Und ich habe bei der ersten Naht nicht kontrolliert, ob das auch so richtig ist. Bei solchen Teilen habe ich IMMER Probleme. Ich weiß nicht, warum ich der Meinung war, ich könnte das auf einmal.

Das es nicht geht, habe ich erst gemerkt, als ich das Futterkleid an den Oberstoff genäht habe. Praktisch auf der Zielgeraden.

Bedeutet: Ich muss trennen. Ziemlich viel.
Bedeutet auch: Bis zum nächsten Morgen hätte ich es nur mit einer Nachtschicht hinbekommen.

Und das war dann der Moment, den Ihr oben auf dem Bild seht.
Ich habe echt Talent dazu, mir Steine in den Weg zu legen, wirklich wahr.

Dafür habe ich allerdings jetzt einen Beitrag für den nächsten MMM, denn ich hatte bei der Konfirmation trotzdem ein MeMade-Kleid an ;-)

So.
Und jetzt kommt etwas, was so gar nichts mit dem Nähen zu tun hat. Aber es bewegt mich, es ärgert mich.
Wie gesagt, wir waren zur Konfirmation eingeladen. Zuerst Kirche, danach Mittagessen. Wie das halt so üblich ist.
Nach der Kirche und vor dem Mittagessen gab es einen kleinen Sektempfang, und es wurden auch Häppchen gereicht. Für Sekt bin ich ja immer zu haben, und für Häppchen auch. Erst recht, wenn das Frühstück schon lange zurück liegt.
Nachdem ich das dritte Mal bei den Häppchen zugelangt hatte, fiel ich unangenehm auf. Nicht, weil mir was runtergefallen ist, ich jemandem die Olive in den Ausschnitt gekegelt habe, oder ich laut rülpsen musste.

Ich fiel auf, weil ich gegessen habe. Ich glaube wirklich, ich war die einzige, die sich mehr als ein Canapé vom Silbertablett genommen hat. "Nein danke! Ich muss ja gleich noch Mittag essen!" hörte ich von allen Seiten.

Nach dem Empfang ging es in den Speisesaal. Ich hatte einen Sitzplatz, von dem ich alle überblicken. Leider, muss ich fast sagen.
Das Mittagessen war lecker. Durchaus überschaubare Portionen, aber wirklich lecker.

Zum Hauptgang bekam jeder einen Teller mit Salzkartöffelchen und Spargel. Die Damen hatten vier, fünf von diesen kleinen Kartoffeln auf dem Teller, die Herren hatte zwei, drei mehr. Dazu gab es wahlweise Schnitzelchen oder Lachsfilets.
Wie gesagt: Überschaubar.

Als die Teller wieder weggeräumt wurden, habe ich gesehen, wie viele Gäste - wir reden über erwachsene Leute, die alle gesund und munter sind - ihre Kartoffeln nicht gegessen haben. Ich dachte, ich seh nicht recht. Wären das jetzt XXL-Portionen gewesen, oder hätten die vorher die Silbertabletts leergefuttert, hätte ich es ja noch verstanden. Aber so..????

Abgesehen davon, dass es dem Gastgeber gegenüber sehr unhöflich ist, einen solch vollen Teller wieder zurückgehen zu lassen, ist es wirklich eine Schande, was da in den Müll gewandert ist.

An meinem Geburtstag habe ich ein Brunch gemacht. Ich habe vom Metzger eine Käse-, eine Wurstplatte und einen Braten kommen lassen. Zuerst war ich erschrocken darüber, wie WENIG das war! Ich hatte echt Bammel, dass es nicht reichen wird, und meine armen Gäste nicht satt werden.

Über die Hälfte haben wir am Ende des Tages eingetuppert.

Ich finde das echt schade, und so langsam geht mir dieses kranke Essverhalten von gesunden, erwachsenen Menschen echt auf die Nüsse.
Wir brauchen uns nicht mehr darüber wundern, dass unsere Teenies nichts mehr essen. Da braucht es keine Klum und keine magersüchtigen Models. Wir selbst leben es ihnen vor: Kartoffeln, Nudeln, Brot und Co. sind Kohlenhydrate und Kohlenhydrate machen ja soooo dick!

(Nur zur Info: Für die ein oder andere, die jetzt vorm Rechner sitzt und denkt, ich hätte gut reden:
Ich habe mir gestern den Bauch vollgeschlagen, und dafür gibt es heute Mittag keine Fertig-Pizza. Vielleicht morgen wieder. Ich achte also auch ein wenig darauf, was ich esse, aber jeden Tag. So muss ich mich bei Einladungen nicht kasteien, und mich dem Gastgeber gegenüber so unhöflich verhalten.
Außerdem habe ich einen Hund, und das führt dazu, dass ich mich regelmäßig bewege. Wer mich also um meine Taille beneidet, dem sei gesagt, dass ich mich nicht nur zwischen Autositz und Sofa hin- und herbewege. Und ich schlage eher ein Eis mit Sahne aus, als ein Schnitzel.)

Aber was ich Euch eigentlich sagen wollte:
Könnt Ihr Euch noch an meine Hose erinnern? An diese Bilder des Grauens?

Ich bin nicht alleine auf der Welt mit diesem Problem. Burda hat sich der Problematik mal angenommen und eine tolle Erklärung geschrieben.


Bei der Hose muss also auch wieder getrennt werden, was das Zeug hergibt. Aber ich will die Hose unbedingt haben, also ran an den Speck.....!

Kommentare

  1. Erstmal, schade mit dem Kleid.
    Zweitens, mir ist es auch schon aufgefallen, wie krank in letzter Zeit die Leute mit dem Essen umgehen. Ich bin nicht die Schlankeste, aber ich esse abwechslungsreich und lasse mir die Butter nicht vom Brot nehmen. Danke für diesen Post. Liebe Grüße, Liane

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  2. Hallo Sandra,
    ich bin auch die, die dadurch auffällt, dass sie richtig isst. Wenn es lecker ist, schlage ich auch ordentlich zu. Weniger essen kann ich zum Ausgleich ja auch morgen noch. ;-)
    Das mit dem Kleid ist ärgerlich, habe auch schon festgestellt, dass "ich mach das jetzt schnell mal fertig" nicht wirklich gut funktioniert.
    Wünsche dir beim Fertigstellen noch viel Erfolg, auch was deine Hose des Grauens angeht.
    Lieben Gruß
    Marietta

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  3. Hallo Sandra,

    schade, dass das Kleid nicht mehr rechtzeitig fertig geworden ist. Bei mir ist es auch so, dass meist alles schief geht, wenn ich mir nicht genug Zeit nehme und es auf die Schnelle fertigmachen möchte. Deshalb probiere ich es jetzt etwas langsamer mit dem Nähen anzugehen, dann bin ich auch mit dem Ergebnis zufriedener. Bin schon gespannt auf dein MMM-Outfit!

    Beim Essen falle ich auch immer negativ auf, ich esse was mir schmeckt und so viel ich will. Zum Glück habe ich den schnellen Stoffwechsel von meinem Vater geerbt. Trotzdem finde ich sollte niemand so krampfhaft darauf achten, was er ißt. Da vergeht einem doch die ganze Lust am Genuß, vor allem schlimm finde ich, dass andere, die das nicht wollen dann so von oben herab betrachtet werden. Wäre für mich kein Leben, da wäre ich die ganze Zeit nur schlecht gelaunt ;-)

    Liebe Grüße
    Julia

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  4. Ach ja sehr schade mit dem Kleid, das kenne ich, wenn es fest eingeplant ist, kommt immer alles anders....
    Ich kann mich noch an Zeiten erinnern, wo auf Festen soviel gegessen wurde, dass man den Eindruck hatte die Leute haben sonst nichts im Kühlschrank und den Hunger der ganzen Woche aufgespart um die Verwandschaft zu schädigen ;-) Das hat sich jetzt wohl in das andere Extrem gewendet... schon sehr komisch und nicht weniger merkwürdig. LG Kuestensocke

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  5. ja Danke Sandra für die Auflösung deines Hosenproblems, ein etwas zu enger Oberschenkel scheint es auch bei Dir zu sein, die Hose kann nicht mehr locker nach unten fallen und schiebt sich hoch.
    Paula

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