Es ist nicht so, wie es aussieht.

Es ist schlimmer.

Dieser Trench und ich..... Es läuft viel mehr schief, als ich gedacht hatte. Zuerst der Murks bei den Abnähern und den Taschenklappen. Dann der Kampf mit dem Kragen. Und dieses unendliche Gefummel bei den Ärmeln.

Ich dachte, es kann nicht schlimmer kommen.
Was auch immer mich geritten hat - ich habe die Knopflöcher mit dem Nahttrenner geöffnet. Mache ich eigentlich nicht, sondern ich schneide sie auf, damit mir nicht das passiert, was nun passiert ist: Ich ramme mit dem Nahttrenner über das genähte Knopfloch hinaus, und zerschneide mir 1 cm von dem Schulterriegel. Als ich mich langsam von der Schockstarre wieder befreien konnte, wollte ich den Mantel schon in die Ecke werfen. Ehrlich. Ein Projekt, bei dem eines nach dem anderen schief läuft, das kann einfach nichts werden. Warum also weiter aufregen und Zeit investieren?

Ich starrte also auf den Schnitt in dem Riegel und dachte:

JETZT ERST RECHT!!!!

Ich meine, was soll jetzt noch passieren? 
Es gelang mir, die Knöpfe ohne größere Zwischenfälle an den Mantel zu nähen. So langsam lerne ich es tatsächlich. 

Danach kam der Futtermantel an die Reihe. Auf diesen Arbeitsschritt habe ich mich gefreut. Futter nähen macht mir nichts aus, und ich wusste genau, wie ich das Futter anschließend in den Mantel einnähen werde.

Blöd nur, dass die Schulternähte vom Futter so gar nicht passen wollten. Also habe ich es passend gemacht. Was sich natürlich gerächt hat - war ja klar. Ich hatte ziemliche Probleme, die Ärmel in das Armloch zu bekommen, aber irgendwie klappte es dann doch. Ja, es sind Falten drin, aber wer sieht das denn? Und solange es passt, nehme ich es diese Schlamperei gerne ich Kauf. 

Mindestens genauso problematisch war es, das Futter an den rückwärtigen Beleg zu nähen. Überhaupt war es diesmal kein Spaß, das Futter einzunähen. Und dann das Verstürzen der Ärmelsäume! Ich musste mehrfach tief in den Bauch atmen, um nicht die Geduld zu verlieren. Außerdem fing das Futter an, entsetzlich zu fusseln. Ständig verhedderte sich das Nähmaschinenfüsschen, die Nadel oder ich in diese spinnwebartigen Fäden. Menno! 

Ich dachte an den Schnitzer im Schulterriegel und machte weiter. Wie heißt es so schön: Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich gänzlich ungeniert. Trifft auch auf einige Nähprojekte zu.

Das Säumen. 
Das Säumen habe ich gleich zweimal gemacht, weil es so schön ist. Und weil ich sagte: "Jetzt muss ich nur noch schnell säumen."
Nicht nur das eigenmächtige Kürzen rächt sich - nein! Auch das Verwenden der Wörter "nur noch schnell". Das gibt es beim Nähen nicht. Irgendwann werde auch ich das verstehen.

Am liebsten hätte ich den Saum vom Oberstoff mit dem Futter verstürzt, aber das geht leider nicht, weil der Mantel hinten eine Falte hat, die beim Futter nicht vorgesehen ist. 

Und das ist jetzt der Stand der Dinge:

Ich muss die Vorderkanten noch absteppen, Knopflöcher nähen und 10 Knöpfe annähen. Dann ist der Mantel fertig. 


Es gefällt mir nicht so, dass die Knöpfe so hoch stehen, und früher oder später werden sie auch noch das Wackeln anfangen. Aber von der Optik her passen die Knöpfe doch am besten.

Und so sieht das gute Stück von innen aus. Ich weiß nicht, wo mein Fehler beim Futter war. Ich weiß, wie man das Futter zuschneidet, dass man einiges weglassen muss, dass es nicht so lang werden soll, dass man eine Bewegungsfalte berücksichtigen muss und so weiter und so fort. Es ist ja nicht meine erste Futterjacke. Aber bei keiner tat ich mich so schwer. Na ja.

Das Futter passt, ich kann den Trench anziehen, ohne dass es irgendwo kracht, und das ist für mich schonmal die halbe Miete. Es ist schließlich noch kein Meister vom Himmel gefallen.

Kommentare

  1. Ohje, schon das mitlesen hat mich wirklich angestrengt, also ich kann mir gut vorstellen wie kräfteraubend das war, aber ich bin sicher, dass Du ihn am Ende umso stolzer tragen wirst :) Und was man bisher sieht, sieht wirklich gut aus und gar nicht nach anstrengender Qual!

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  2. Oje du Arme. AUF dem Foto sieht der Mantel ja ganz gut aus. AUs Fehlern lernt man und beim nächsten Mal wird es sicher besser gehen. Beim aufschneiden der Knopfloecher kannst du an beiden Enden eine Stecknadel einstecken, die dann verhindert, daß du zu weit schneidest.
    Liebe Grüße und Kopf hoch,
    Susan

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  3. Hammer! Da machst du dir mal wieder ein Sahne-Teil!
    Und du nimmst mich richtig mit, wenn du so so genau beschreibst, wie es dir beim Nähen ergangen ist. Danke dafür! :-)

    Liebe Grüße
    Immi

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  4. Huuuh, mir wird ganz anders - ich habe auch solch einen Mantel als Ufo rumliegen! Die Ärmel sind noch nicht drin, weil ich sie verkürzen muss und nicht weiß, wo ich den Ärmelriegel ansetzen soll. Das Futter ist noch nicht genäht und wird wahrscheinlich auch nicht so ohne weiteres passen, weil ich die Mantel-Schulernaht geändert habe ... und ...
    Aber Du hast es geschafft, Du kannst stolz auf Dich sein!
    Liebe Grüße
    Ilse aus dem Kiebitzkeller

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  5. Oh nein, nicht aufgeben - alles wird gut - denn der Mantel ist echt super und ein Klassiker!!!
    Bin schon so gespannt wie es an Dir aussieht! Lass Dir Zeit beim nähen - wirklich - denn es soll Dir ja noch Freude bereiten. Ich liebe die Knöpfe! LG Anita
    PS. Mensch auch bei Dir muss ich immer mit den Googelkonto kommentieren. Warum? Wie kommt das? Hast Du eine Idee? Bei Immi auch :( Will doch lieber mit meinem Blogger-Account kommentieren.

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    1. ??? Kommisch - es ist doch der Blogger-Account??? Hmm Ok. Also dann ist ja alles guuut.:)))

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  6. Wow was für ein Teil, so ein Mantel ist ja nicht gerade Beginner - trotz Hürden - er wird toll :)
    sei lieb gegrüßt Melanie

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  7. Hallo liebe Sandra,

    also aussehen tut es trotzdem super, finde ich ;-) Außen Hui und innen Pfui ist auch immer mein Problem, aber wenn man das gut verstecken kann ist das doch (vor allem bei einem ersten Versuch) absolut zu verzeihen. Und ganz besonders wenn es sich um so einen schönen Trench wie diesen handelt!
    Bin schon gespannt auf Tragebilder des guten Stücks!
    Bis dahin liebe Grüße
    von Melanie

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