Reverskragen mit Abnäher

Früher, als ich mit dem Nähen anfing, habe ich mich mehrfach kräftig bei Burda beschwert. Diese Anleitungen! Wer soll die denn verstehen? Anfänger?? Im Leben nicht!!!

Natürlich ging Burda nicht auf mein Gejammer ein. Und ich sag mal so: Jetzt ist es mir auch ein bisschen peinlich, denn wenn man ein bisschen Erfahrung gesammelt hat, und einfach das macht, was in der Anleitung steht, ist es kein Hexenwerk mehr. Aber ohne Erfahrung ist es wirklich kein Zuckerschlecken, und eigentlich ohne ein paar Nähkurse nicht zu schaffen.

Jetzt nähe ich schon ein paar Jahre, und habe mir in dieser Zeit eine Menge angeeignet. Die Anleitungen von Burda sind keine Angstgegner mehr. Meistens jedenfalls ;-)

Seit etwa zwei Wochen habe ich ein Projekt auf meiner Püppi hängen, was eigentlich schon längst fertig und in Betrieb sein sollte, aber diese Anleitung.... Diesmal hat sie mir mal wieder Kopfzerbrechen bereitet.

Es handelt sich um ein Cape mit Reverskragen (Schnitt 123 aus Burda 8/2014). Nicht weiter schwer - Kragen kann ich inzwischen nähen. Allerdings hatte ich bisher noch nie das Vergnügen mit Abnähern, die auch noch mitgenäht werden wollen. Und dann sollen die auch noch 8 cm eingeschnitten werden... Oh weh. Aber ich habe Vertrauen, greife beherzt zur Schere und schneide 8 cm ein. Zack.

Ich arbeite laut Anleitung weiter, bis es heißt: "Kragen zwischen Cape und Besatz legen. Den Unterkragen vom Querstrich bis zum Abnäher an den Halsausschnitt steppen."

Diesen Passus habe ich zig-mal gelesen, aber das Hebelchen in meinem Kopf wollte sich einfach nicht umlegen. Deswegen hing das Cape auf der Puppe, und oben auf dem abgeschnitten Hals steckte der Kragen fest. Zwei Wochen lang. In dieser Phase eines Projektes habe ich auch nicht wirklich Lust, etwas neues zu beginnen, weil es mich eigentlich fuchst, dass ich das nicht raffe. Ich schleiche einfach nur um das Cape und denke: Verstehe es doch endlich!

Und dann macht es auf einmal "Klick!" und es geht fast wie von allein.


Hier seht Ihr das Vorderteil; die sichtbare Naht links ist die Steppnaht vom Beleg. Die endet am besagten Querstrich. Das blaue Teil oben ist der Kragen. Und der Schlitz ist der eingeschnittene Abnäher. Ich nähe jetzt den Kragen vom Querstrich bis zum Schlitz - das ist nicht viel.

Die Naht ist ein bisschen schwer zu erkennen. Ich nähe auch nicht bis ganz zum Schluss, sondern lasse etwa 1 cm vor dem Abnäherschlitz offen.

Jetzt geht es weiter: "Von der rückwärtigen Mitte den Unterkragen an den Halsausschnitt steppen, fortlaufend den Abnäher steppen."

So. Der Knoten im Hirn war perfekt, aber es ist wirklich nur eine Naht:

Die Naht beginnt hinten an der rückwärtigen Mitte (die Nadel links steckt hochkant), und der Rest ergibt sich von allein. Während ich den Kragen auf den Hals stecke, legt sich der Abnäher schon so hin, dass er "fortlaufend" genäht werden kann.


Die hautfarbene Stoffpartie ist der verstärkte Kragen, der dunkle Stoff ist das Vorderteil, die Nadeln stellen die Naht des Abnähers dar.

Der Rest vom Kragen ist bekannt, und auch nicht weiter schwer. Nähen, Nahtzugabe einschneiden, weiter nähen und fertig ist das Ding:

Jetzt wird das Futter genäht. Mal sehen, welche Stolpersteine die Anleitung noch so auf Lager hat.....

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Kommentare

  1. Ich verrate dir was. Ich nähe seit 30 Jahren und kann auch ziemlich gut nähen aber die Anleitungen verstehe ich heute noch nicht. Ganz egal in welcher der Zeitschriften, meistens nähe ich aus der Patrones da weiss ich wenigesten gleich von Anfang an das sie in SPANISCH sind und ich nichts verstehe.

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  2. dito!
    ich nähe auch seit fast 30 jahren. und anleitungen von Burda sind grotten schlecht.ich bin habe einen technischen beruf mit 3D vorstellungsvermögen gehabt.
    es hat nichst damit zu tun,wieviel erfahrung man hat.
    es sind eventuell die basic, du du jetzt in den anleitungen besser verstehst,weil du weißt,wie es geht.
    teilweise versuche ich anhgand der technischen teile-skizzen kapieren wie das zusammen kommt.
    teilweise brauche ich stunden um zu verstehen.
    meine theorie dazu ist, dass es entweder jeamdn schreibt,der ganz wenig ahnung davon hat oder genau das gegenteil, der überqualifiziert fürt den job ist.
    ausserdem , als ich mein korstet mit hilfe einer meisterin genäht habe,war für uns klar, sie hat 0 talent die sachen so präzise auszudrücken dass ich auf ihre ansage "mach dies und das" nicht 2 -3 neue fragen stellen musste.
    und einmal musste ich für eine bloggerin 23 fotos schiessen,weil sie zusammen bruch hatte,dass sie Barbara Schöneberger das kleid nicht zusdammen gebaut bekommt. ich nam japanisches origami-papier, schnitt die teile vergrössert zu und fotogrtafierte den zusammenbau.

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  3. Vielen Dank für die Fotos! ich minimalistisschen anleitungen und die fehlende Nahtzugabe bei Burda sind der Grund, warum ich gern nach Einzelschnitten mit ausführlicher bebildeter anleitung nähe. Da finde ich mich besser durch. Das mit den Abnäheren beim Reverskragen habe ich bislang noch nicht geschnallt, daher vielen vielen Dank für Deine Fotos, die sind sehr aufschlussreich! LG Kuestensocke

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    1. die hinzugefügte Nahtzugaben sind tödloch,wenn man mit Karo oder Glencheck arbeitet.
      oder wenn man an der Figur anpassen muss,weil Figur das oder jenes problemchen hat. man arbeitet dann mit massen.
      das bedeutet,dass man erst die nahtzugaben wegrechnenmuss=doppelte arbeit!
      daher machen die Franzosen und Burda es richtig.
      nur amis machen es EINFACH.das bedeutet dass auch die passformqualität draunter leidet gegebenenfalls.

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    2. Bei Karo und Co. und Anpassungen muss man die integrierte Nahtzugabe selbstverständlich korrekt beachten und darf nicht einfach an der Außenkante zu- oder weggeben. Weil ich aber oft Schnitte mehrfach nähe ist es für mich die Mühe beim Anpassen wert, weil ich beim Zuschneiden später schneller und korrekter bin. Ist doch prima, dass jeder seine Methode finden kann.

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  4. ..das kenne ich auch, Anleitung zigmal durchgelesen und man kommt einfach nicht weiter. Für mich habe ich aber gelernt, in solchen Momenten ersteinmal alles zur Seite legen und drüberschlafen. Ein paar Tage später, wenn der Druck weg ist kommt die Lösung meist spielerisch um die Ecke gehüpft. Danke fürs zeigen. Und die fertige Jacke wirst du uns sicherlich auch noch zeigen.
    lG Silke

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