Oberteilschwäche #3

Das war´s.
Ich bin durch mit dem Thema.

Nein, nicht mit der 12-Top-Challenge, aber mit dem Thema Jersey.
Ich habe so den Kaffee auf... Nur dieser Challenge ist es zu verdanken, dass beim Nähen des Oberteils niemand aus dem Fenster geflogen ist. Und dass dieses Top nicht im Müll liegt, sondern auf der Puppe hängt.

Aber jetzt erstmal von vorne.

Mein Favorit für den März sollte dieses Top werden:


Ein doppellagiges Shirt aus der April-Burda. Der Schnitt gefiel mir sofort, und Jersey hatte ich auch in meiner Kiste liegen. Also fing ich an. Ich habe sogar Einlage auf den Besatz gebügelt, weil ich es so richtig schön machen wollte.

Ich glaube, das war der Startschuss für diese Fehlerserie. Der Besatz lag mir viel zu eng am Hals - das ist nicht so das Gefühl, was ich gerne mag. Durch das Vlies war auch die Dehnbarkeit so gut wie weg, der Besatz lag stramm am Hals, labbert aber dann am Rücken und an der Brust.So hatte ich mir das nicht vorgestellt!

Ich schmiss die Cover an, um den Besatz ganz fachmännisch festzusteppen, aber es dauert natürlich nicht lange, da fraß die Maschine den Stoff. Der erste Befreiungsversuch klappte, aber beim Weiternähen passierte es wieder. Außerdem  legte sich der Besatz nicht so hin, wie er sollte, so dass ich an zwei Stellen Falten gesteppt hatte. Das Auftrennen der Naht soll ja ganz einfach sein, aber bei mir hatten sich wohl die Fädchen schon so festgezurrt, dass ein Auftrennen nur mit Schere möglich war.

Weil ich die Schere gerade in der Hand hielt, mir der Ausschnitt sowieso zu eng war, und meine Wut auf den Besatz immer größer wurde, schnitt ich ihn kurzer Hand ab. Und zwar großzügig. Was soll ich mich noch länger mit dem Ding rumärgern?

Die Cover hätte komplett neu eingefädelt werden müssen, dazu fehlte mir inzwischen jeglicher Nerv. Also fädelte ich die Zwillingsnadel an meiner "normalen" Maschine ein, bügelte alle Säume einmal rum, und steppte mit der Maschine alles fest.

NATÜRLICH ist auch hierbei zwei mal der Faden gerissen und der Stoff verschwand in der Maschine, mir ist nach jedem Faden abschneiden die Schere auf den Boden gefallen, und damit sich das Aufheben lohnt, habe ich noch zig Nadeln mit meinem Ärmel runtergefegt.

Es war mir alles egal. Stur, wie eigentlich nur mein Hund sein kann, nähte ich weiter, riss, zerrte, und schwor mir unzählige Male: Nie mehr Jersey. Dieses Teufelszeug soll doch bleiben, wo der Pfeffer wächst! Wütend hing ich das Teil auf die Puppe, nicht wissend, ob ich da etwas tragbares produziert habe.

Am nächsten Tag war die Wut wieder verraucht. Ich habe die Seitennähte (wo keine Ärmel sind) nochmal deutlich enger genäht, und jetzt sind das Top und ich wieder versöhnt.


Ich weiß trotzdem nicht, ob ich mit Jersey jemals so warm werde, wie ich es mit Webstoffen bin.




Dabei habe ich es mir doch so fest vorgenommen! Es ärgert mich maßlos, dass ich nicht in der Lage bin, ein einfaches Shirt zu nähen. Fragt besser nicht, wie viele Stunden ich an diesem Teil geschnitten, gebügelt, genäht, geschnitten und wieder genäht habe.



Darüber hänge ich mal lieber das Mäntelchen des Schweigens. Apropos Mantel: Damit mache ich jetzt auch weiter. Ich kann wohl besser burda-Anleitungen umsetzen, als Jersey nähen.....

Verlinkt bei der 12-Top-Challenge von Constance, ohne die es das Top mit Sicherheit NICHT gäbe!
Und verlinkt beim CreaDienstag von Anke.

Kommentare:

  1. Wow, was da Herzblut in diesem Oberteil steckt, das kann nicht so schnell jemand behaupten! Und das beste ist, man sieht dem Top absolut nicht an, dass es für dich eine solche Zerreissprobe war! Gratulation zu dem tollen Shirt! Viel Spaß damit, darfst halt nicht an die Herstellung zurück denken ;)
    LG Stefi

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  2. Dasklingt ja nach ner Geschichte :D Aber im Ernst: wieso nähst du nach Burda-Schnitten? Damit hatte ich bei Jerseyteilen schon so oft Probleme. Kauf dir mal einen teuren aber dafür auch gescheit erklärten und gescheit sitzenden Schnitt (Renfrew kann ich dir empfehlen) und dann schau mal ob du und Jersey nicht doch noch warm miteinander werden. Weil das Ergebnis finde ich nämlich echt klasse, schade nur wenn das Nähen dann keinen Spaß macht.

    Liebe Grüße
    Katharina

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  3. Ich kann mich Katharina anschließen: ich habe schon einige Jersey-Shirts nach Burda genäht und war nie zufrieden; und ich nähe wirklich viele -und wie ich meine- gute Jersey-Shirts. Mein Basis-Shirt, den ich mittlerweile perfekt auf mich angepasst habe ist Fanö von Farbenmix. Die Schnitte von Schnittreif sind generell sehr empfehlenswert. Ganz neu in meinem Bestand ist das Bronte Top von Jennifer Lauren Vintage, auch klasse!
    Lass Dich nicht entmutigen und versuche es mal mit nem anderen Schnittmuster(hersteller). Manche Jerseys sind aber auch echte Ar........, da kann man manchmal auch echt verzweifeln.

    LG luzie

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  4. So ein Zufall: Heute morgen, bei einer Tasse Kaffee, hab ich genau dieses Top für mich als 'to do' notiert. Schön es jetzt hier bei dir zu sehen. Mir gefällt deine Version und ich mag, wie das halbe Vorderteil so locker rüberfällt. Dachte, ich näh mir das Top vielleicht im Materialmix.
    Jerseynähen ist für mich inzwischen Routine. Bei den Kanten und Abschlüssen helfe ich mir mit dem Silikonband dass ich von Hand in die Nahtzugaben hefte bevor ich die Kanten umsäume. Bin ein bekennender Silikonband-Fetichist - aber das weisst du ja eigentlich schon längst. ;)

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    1. Im Materialmix kann ich mir das Shirt auch gut vorstellen! Der Schnitt ist wirklich nicht schlecht, aber ich habe den Besatz komplett und dann nochmal bestimmt 5 cm vm Shirt weggeschnitten, weil es mir persönlich zu eng am Hals sitzt.

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  5. Was für ein Nähkrimi! Fadenreißen, Stoff fressen ... das alles hat ja nichts mit dem Schnitt zu tun, das ist einfach Pech. Auch Nähmaschinen haben ihre Launen, soviel steht fest. Wenn es bei mir zu Stofffressen und Co. kommt, dann schalte ich die Maschinen erstmal aus und trinke einen Tee. Dann habt sich die Nähdiva meist wieder beruhigt und frisst den Stoff nicht mehr. Manche Jerseys sind etwas tricki, mit anderen läuft es wunderbar - da steckt man einfach nicht drin. Ich bewundere, dass Du nicht locker gelassen hast, das Ergebnis gibt Dir Recht. Das Shirt schaut sehr gut aus und die Schnittführung finde ich sehr interessant, ist mir gleich in der Zeitschrift aufgefallen. Wie trägt sich das Shirt denn? Ist es nicht zu warm, weil doppelt am Körper? Weht irgendwo an der freien Schulter der Wind rein? LG Kuestensocke

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    1. Das Shirt trägt sich sehr gut! Es ist nicht zu warm, weil das kurze Teil ziemlich locker und luftig über dem langen Teil liegt. An Schulter, Brust und Rücken liegt das Shirt eng an, somit kann kein Wind reinwehen.

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  6. Also ansehen tut man dem Shirt den Ärger in keiner Weise. Du hast doch auch Ottobre-SM? Ich nähe aus denen ganz gern die Shirts. Obwohl ich aus der Burda auch schonmal ein schönes Sommerottobre aus Jersey genäht hab.

    Aber schlussendlich ein schönes Oberteil, ich hoffe es entlohnt Dich.

    LG Carola

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  7. Wie gut, dass du so hartnäckig warst, denn das Shirt sieht echt klasse aus. Trotzdem schade, dass du dem Jersey ade sagen willst. Ich liebe Jersey und mit Cover und Co lässt der sich im Normalfall super nähen. Wer weiß: Dei NähMa hatte wahrscheinlich einfach Laune. Also nicht aufgeben und nochmal probieren!

    Gruß Marion

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  8. Ein sehr interessanter Schnitt und das Shirt steht dir ausgezeichnet. Schade, dass du Jersey nicht so leiden magst. War es ein Viskosejersey? Die lassen sich gerne fressen. Jersey an sich finde ich nämlich total prima. Und hatte auch (im Gegensatz zu dünner Baumwolle) noch nie Probleme mit Cover, Overlock oder Nähmaschine. Trau dich doch noch mal ran an das Thema :)
    Beste Grüße
    Janine

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  9. Irgendwie kommt mir das bekannt vor, dieses endlose Herumgefrickel, weil man sich in einen Schnitt verbissen hat! Aber das Ergebnis ist sehr tragbar, jedenfalls sieht es auf den Fotos so aus. Der Stoff sieht sehr schön aus. Ich finde es schwierig, schöne Jersey-Stoffe für Erwachsene zu finden - da hast Du einen guten Fund gemacht.

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  10. Was habe ich eben beim Lesen mit Dir mitgeflucht und geärgert.... oh ich als Anfänger kenne solche Probleme zur Genüge und bin immer zufrieden, dass ich nicht allein da stehe... wobei ich gestehen muss. Jersey ist nicht gleich Jersey - es gibt welchen der näht sich super und dann gibt es diesen fiesen hinterhältigen der um tot durch Papierkorb schreit

    Liebe Grüße Jacky

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  11. An diesem tollen Oberteil aus der Burda ist mein Blick auch hängengeblieben. Wobei mich am Nachnähen eher eine Unterteil- als eine Oberteilschwäche hindert und mir die Kombinationspartner fehlen.
    Lass Dich bitte nicht von Deinem bockigen Jersey entmutigen, es gibt solche Sorten, die sich freiwillig der Maschine zum Fraß vorwerfen und einen in die Verzweiflung treiben können. Meist sind das die oberflutschigen Viskose- oder Polyjerseys. Mit einem ordentlichen Baumwolljersey sieht es da schon ganz anders aus und der Tragekomfort von Jersey ist einfach unvergleichlich.
    Liebe Grüße
    Antje

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  12. Was für eine Näh-Odyssee! Zum Glück sieht man sie dem fertigen Shirt nicht an.
    Mein Tipp: den Stoff immer schon ca 1cm unter den Nähfuß schieben statt direkt an der Kante anzusetzen. So kann die NähMa den Stoff nicht ganz so leicht fressen. Ich hoffe, du gibst nicht auf: Jersey nähen kann nämlich auch richtig Spaß machen!
    Liebe Grüße
    Constance

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  13. Deine Nähbeschreibung finde ich wunderbar. Du schreibst so schön und lebendig, da sitze ich glatt mir im Nähzimmer und grinse. Ich glaube es liegt nicht an dir und dem Jersey, dass du so käpfem mußt. . Ich glaube Burda macht keine guten Jerseyschnittte. Die verarbeiten Jersey nämlich z.T. so wie Webware. Wer verstärkt Jersey mit Vlieseline? Das geht gar nicht ! Bei der Challenge werden toch tolle Schnitt vorgestellt. Vielleicht gehst du Burda mal fremd und testest was anderes. Du kannst so toll nähne, lass dich nicht ärgern!
    LG Karin

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  14. Ach ganz vergessen... das Ergebnis läßt sich trotzdem sehen, diese Shirts sind sehr schön geworden und der Stoff gefällt mir sehr.

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  15. Ende gut, alles gut :)...und bitte weiterversuchen. Ich nähe gerne Webware, aber so richtig bequem ist halt Jersey. Oder versuch Interlock? Oder wir nähen mal zusammen? Ich glaub, Du wohnst in meiner Nähe:)
    Liebe Grüße
    Sandra

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  16. Musste auch schmunzeln bei deinem Bericht! Zu burda kann ich nichts sagen, hab ich noch nie genäht, weder aus Jersey noch aus Webstoff. Aber Fanö kann ich nur empfehlen, hab das schon aus unterschiedlich dehnbaren Stoffen genäht, passt immer, selbst die Länge des Halsbündchens. Ich habe Jersey am Halsausschnitt tatsächlich auch schon verstärkt, lässt sich dann besser absteppen. Allerdings nehme ich immer die dehnbare Einlage (G irgendwas) im schrägen Fadenlauf, das klappt dann ganz gut. Und ich fange auch immer so zu nähen an, dass der Nähfuß ganz auf dem Stoff steht, dann wird der Stoff nicht gefressen.
    Dein Shirt ist so schön, wär doch gelacht, wenn das nicht auch ohne "Nähkrimi" klappen sollte!
    Liebe Grüße von Katharina

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  17. Oh je du Arme.. aber es sieht toll aus!
    Den Schnitt muß ich mir auch mal angucken... so was mag ich... und der Rücken gefällt mir hier besonders gut.
    Grüße Sonnenblume

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  18. Krass, Du nähst tolle Kleider, Mäntel und verzweifelst an einem Jerseyshirt. Vielelicht war es einfach nur ein schlechter Tag. Manchmal klappt wirklich nichts und dann am nächsten Tag wieder alles. Dem Shirt sieht man den Ärger auf alle Fälle nicht an. Sieht gut aus.
    LG
    Kerstin

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  19. Also mir gefällt es so wie es ist!!
    Ja, manchmal klappt es eben erst beim zweiten Versuch- HAUPTSACHE: es klappt:))
    Liebe Grüße von Angela

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  20. So zu lesen war das eine richtige Prüfung für Dich. Viscose-Jeresey ist leider ein Stoff der Zicken unter der Nähmaschine und Cover machen kann. Probiere mal einen festeren/dickeren Jersey mit einem hohen Anteil Baumwolle. (z.B. Punta die Roma, so heisst er, glaube ich). Wenn ich genervt vor der Maschine sitzte, wird es auch nichts. Aber gut hast Du es doch hinbekommen.
    Schöne Sachen nähst Du!
    me3ko

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  21. Vergessen: Und die Ausschnittblende beim Jersey-Shirt mit Einlage zu verstärken ist so ein blöder Vorschlag von Burda, darauf bin ich auch schon reingefallen. Das Ergebnis hiervon ist so mittelmässig und lappig, da kann frau nur den Kopf schütteln bei der Technik!
    me3ko

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  22. Liebe Sandra, dein Doppel-Shirt ist sehr schön geworden, trotz der Kämpfe. Wie alle anderen schon gesagt haben, ist Jersey nicht gleich Jersey. Bei meinem Shirt bin ich z.B. an dem Jersey für die Einfassung so lange verzweifelt, bis ich ihn mit einer Ladung Sprühstärke gebändigt habe. Im Moment experimentiere ich mit Wäsche-Stärke gegen Rolljersey herum, mal sehen, wie das klappt. Burda-Shirt-Schnitte kann ich auch nicht so pauschal verdammen, da gibt es auch Unterschiede, manche funktionieren sehr gut. Ich würde es an Deiner Stelle nochmal mit einem etwas dickeren Jersey probieren, der sich auch nicht an den Schnittkanten rollt. Wenn sich die Stärke bewährt, berichte ich darüber.
    LG, Stefanie

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Vielen Dank für Deinen Kommentar. Ich freue mich sehr darüber!