Die burda`sche Kochlöffelmethode

Ja, ich weiß. Es gibt inzwischen zig Anleitungen im Netz, wie man Stoff und Futter an einem ärmellosen Oberteil nett und schön zusammennähen kann, ohne sich das Gehirn zu zermatern. Ohne diese berühmt-berüchtigte Kochlöffelanleitung von Burda übersetzen zu müssen. Weil mir das inzwischen nicht mehr schwer fällt, habe ich meine Arbeitsschritte mal festgehalten.

Ich gebe es zu: Beim ersten Mal bin ich fast verzeifelt.
Okay, ich bin verzweifelt. Wirklich.

Die darauffolgenden Male habe ich die Zähne zusammengebissen und mich durch die Anleitung gekämpft. Weil mich das Ergebnis überzeugt - und der eigentliche Prozess kein Hexenwerk ist.

Ich habe das Kleid 123 aus der Burda 9/2014 genäht, und das Oberteil wird nach diesem Verfahren verarbeitet. Also, analysieren wir mal die Anleitung.

Futterteile und die Besätze rechts auf rechts auf die Vorderteile und das Rückenteil stecken.
Das dürfte soweit klar sein. Mit den Besätzen sind die extra zugeschnittenen Besatzteile vom Vorderteil gemeint, die inzwischen an das Futter angenäht sind - und für mich jetzt nur noch das Futterteil ist.

Entlang den vord. Kanten, den Hals- und Armausschnittkanten steppen, dabei jeweils 2 cm unterhalb der Schulternahtlinie beginnen und enden.
Das ist jetzt auch nichts besonderes: Einfach alle Nähte bis auf die Seiten- und Schulternähte schließen. Und diese zwei Zentimeter unterhalb der Schulternahtlinie sehen so aus:



Ich messe von der Schnittkante des Stoffes bis zur Naht etwa 4 cm: 1,5 cm Nahtzugabe und die 2 cm unterhalb der Schulternahtlinie. Bis zu diesem Punkt nähe ich. Mein Fehler war es oft, dass ich die 2 cm von der Schnittkante berücksichtigt habe. Klappt nicht - man bricht sich die Finger.

So, nächster Schritt:
Nahtzugaben zurückschneiden, an den Rundungen bis dicht an die Steppstiche einschneiden.


Hier als Beispiel ein Vorderteil. Die Nahtzugabe habe ich nur da zurückgeschnitten, wo ich schon genäht habe. Auch ein Erfahrungswert. Wo noch keine Naht ist, schneide ich keine Nahtzugabe ab.

Weiter gehts:
An den Vorderteilen (nicht am Rückenteil) das Futter und die Besätze nach innen wenden.
Warum das Futter und die Besätze in der Beschreibung so behandelt werden, als wären es zwei Teile - ich weiß es nicht. Mit anderen Worten: Die Vorteile werden gewendet, das Rückenteil nicht.

Und jetzt kommt der Teil, der für mich am unverständlichsten war:
Die vord. Schulterkanten zwischen die noch nicht gewendeten rückw. Schulterkanten schieben, die rechten Stoffseiten von Vorderteil und Rückenteil bzw. vom Futter liegen aufeinander.
Ich weiß nicht, wie oft das das versucht habe. Wie viele Varianten ich davon erfunden habe. Die Träger vom Vorderteil werden in die Träger vom Rückenteil geschoben; hat so ein bisschen was von Hosen nähen.


Das Vorderteil liegt mit der rechten Seite auf der linken Seite des Vorderteil. Und so müssen die Teile jetzt ineinandergeschoben werden. Die vordere Kante (der Besatz) des jeweiligen Vorderteils liegt auf der rückw. Mittelnaht. An den Trägern sieht es dann so aus:


Die Futterteile liegen aufeinander, die Oberstoffteile liegen aufeinander. Und zwar rechts auf rechts. So werden die Schulternähte jetzt zusammengenäht.

Schulternähte an Kleid und Futter steppen.


Also, zweimal Futter, zweimal Oberstoff zusammennähen.

Der Kochlöffel kommt jetzt zum Einsatz:
Das innen liegende Vorderteil und das Futter ein Stück weit nach oben herausziehen und die Nahtzugaben auseinanderbügeln. Dazu einen Kochlöffel unter die Nähte schieben. 
Das "Rausziehen" ist so, als würde man das ganze Ding wieder wenden wollen. Je weiter man es rauszieht, desto mehr Stoff hat man, um ihn unter die Maschine zu legen.
Das Auseinanderbügeln der Nahtzugaben mag übertrieben klingen, aber gut gebügelt ist halb genäht. Es wird sich lohnen.


Dann die restl. noch offenen Ausschnittkanten aufeinandersteppen.
Das sind die zwei Zentimeter, die noch offen sind. Das Futter wird mit dem Oberstoff zusammengenäht.


Weil vorher gebügelt wurde, legen sich die Teile perfekt aufeinander. Wer die Nahtzugabe nicht abgeschnitten hat, ist jetzt im Vorteil. So geht es mir zumindest.

Vorderteile nach unten aus den Schulterkanten des Rückenteils ziehen, dabei wendet sich das rückwärtige Futter nach innen. 



 

FERTIG!

Verlinkt beim CreaDienstag

Kommentare

  1. Schön, dass du wieder da bist und danke für die detaillierte und vor allem bebilderte Anleitung. Werd ich mir das nächste Mal zur Hand nehmen.
    Der namensgebende Kochlöffel ist dabei ja das geringste Problem. Ich würde mir wünschen, dass burda das auch mal so gut zeigt. Stattdessen sind in jedem Nähjournal immer dieselben knappen Anleitungen drin.
    LG
    Andrea

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  2. Danke für diese sehr gute Anleitung! Da werden alle Fragen geklärt, welches Teil wie liegt, welche Stoffseiten aufeinander treffen etc., die bei der Burda-Anleitung unklar bleiben. Hoffentlich erinnere ich mich daran, wenn ich mal so einen Schnitt nähe.

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  3. Vielen Dank auch von mir für deine super bebilderte und vorallem gut verständliche Erklärung. Und Dank des Speichervermögens der modernen Technik wird dein Post auch abgespeichert. Eine schönen Tag für dich, wünscht
    Silke

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  4. Mir bist du ein Mutmach-Blog - mit Schaffenskrise gleich noch mehr! Hätte ich einen Blog und könntest du meine Misserfolge (meist scheitert es schon an der Schnitt undStoff Wahl bzw. an der Kombination beider) mitlesen, würdest du womöglich völlig beflügelt zu Werke gehen :)

    Viele Grüße aus dem Off

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  5. Vielen Dank für diese gute Erklärung. Hatte das nie so richtig verstanden. Aber der Kochlöffel bleibt beim Nähen drin?!
    LG schurrmurr

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    1. Nein, der Kochlöffel wird nur zum Bügeln gebraucht. Wie eine Art Mini-Bügelbrett. Es geht nur darum, die NZ gut auseinanderbügeln zu können.

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    2. Danke, jetzt habe ich es wohl kapiert, brütete auch schon jahrelang über den Seiten des Burdabuchs.
      LG schurrmurr

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  6. Schon oft über diese Methode gelesen, aber noch nie angewandt.
    Dürfte mit Deiner Anleitung aber keine Probleme mehr bereiten - Danke schön!!
    Liebe Grüße
    Sandra

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  7. Vielen Dank, jetzt verstehe ich es endlich! Mir ging ein Licht auf bei dem Satz "hat so ein bisschen was von Hosen nähen". Da begriff ich, wie die Teile ineinander gesteckt werden. Das werde ich mal ausprobieren.
    Liebe Grüße
    Ilse

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  8. Ich glaube danke deinem tollen Tutorial hab ich diese Methode jetzt endlich verstanden. Werde sie demnächst mal endlich ausprobieren. Vielen Dank!!
    LG Karin

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  9. Ich gestehe, ich glaub ich muss sowas erstmal Nähen um es wirklich zu verstehen.... so ist mir das zu theoretisch und es hört sich an, als bräuchte ich definitiv ein Hochschulstudium...das liegt aber nicht an Deiner tollen Anleitung (dickes Dankeschön) sondern einfach an meinen wenigen Näherfahrungen.
    Liebe Grüße Jacky

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  10. Aaaah - super! Endlich einmal eine Schritt-für-Schritt-Anleitung mit vielen Bildern! Beim nächsten Projekt, das in der Anleitung irgendwo den Begriff "Kochlöffel" beinhaltet, werde ich nach Deinem Tutorial vorgehen. Ich bin sicher, ich bekomme es dieses Mal gebacken! Lieben Dank dafür und viele Grüße – Mrs Go

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  11. Hallo Sandra...musste auf Deine Anleitung zurückkommen...habe das Problem bei einem Kleid, dass ich die Rückenteile des Futters von Oberteil vertauscht habe, habe das abgetrennt, bekomme ich die wieder nur wieder dran, wenn ich die Schulternähte auch öffne? Wandte die Methode von Tiily Walnes an, die das Futter durch die Schulter wendet.
    LG Carmen

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  12. Hallo Sandra,
    Habe es so probiert... Schulternähte auch aufgetrennt...es hat funktioniert...
    LG Carmen
    Schurrmurr

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