Off Topic - Nur einen Augenblick

Es passiert unzählige Male, jeden Tag, überall auf der Welt.
Und am Montag ist es genau hier vor der Bürotür passiert: Ein Verkehrsunfall mit Todesfolge.

Meine Kollegen und ich haben den Unfallhergang nicht gesehen, aber wir haben den Aufprall gehört und wussten im selben Moment: Das war nicht gut. Das war überhaupt nicht gut.

Auf der Straße war es auf einmal still und gleichzeitig herrschte unglaubliches Chaos.

Mein Blick fiel zuerst auf das Motorrad.
Dann auf das Auto.
Und dann auf den Motorradfahrer unter dem Auto.

Keiner von uns weiß, wie das passiert ist. Die Autofahrerin kam aus der Einfahrt und wollte auf die Straße abbiegen. Von links kam das Motorrad.

Der Motorradfahrer (21) wurde ins Krankenhaus gebracht, wo er kurze Zeit später an seinen schweren Verletzungen verstarb.
Die Autofahrerin (28) erlitt einen Schock, wurde etwa zwei Stunden hinter unserem Büro von Sanitätern und einer Seelsorgerin betreut und letztendlich auch ins Krankenhaus gebracht.

Ein Toter und unvorstellbares Leid.
Weil man einen Augenblick unaufmerksam ist.
Weil man die Augen nicht überall haben kann.
Weil einer vielleicht zu schnell und der andere vielleicht zu langsam ist.

Man macht sich im Alltag eigentlich keine Gedanken darüber, wie schnell alles anders oder sogar ganz vorbei sein kann. Man hört Schicksalsschläge von Bekannten und Freunden, ist betroffen und leidet bestimmt auch mit, aber man ist schnell wieder in seiner eigenen Welt und man führt nur zu gerne sein eigenes und vor allen Dingen heiles Leben weiter.

Trotzdem werden wir durch solche Schicksale immer wieder wachgerüttelt, werden sensibilisiert, nehmen unsere Umwelt ein bisschen anders wahr.

An diesem Tag sind wir alle ein bisschen langsamer nach Hause gefahren und haben beim Abbiegen einen Augenblick länger gewartet als sonst.