Erfolgserlebnis für zwischendrin

Große Projekte machen mir Spaß, aber wenn ich an einen Punkt komme, an dem ich nicht mehr weiter weiß, dann brauche ich etwas komplett anderes. Als Ablenkung, damit ich wieder in eine andere Richtung denken kann.

Als beim Great British Sewing Bee die Folge mit der Lingerie kam, dachte ich mir: "Warum hast Du das eigentlich noch nicht probiert?"

Zugegeben, ich schlafe am liebsten im T-Shirt. Der Wunsch nach einem selbstgenähten Seiden-Nachthemd mit Spitzeneinsatz und Trallala hat sich vielleicht deswegen ein bisschen im Hintergrund gehalten. Trotzdem wollte ich es probieren, weil es ein kleines Projekt ist, und ich hier keinen Einfass-Streifen aus Jersey vernähe, der mir am Ende dann wieder alles verhagelt.

Lange Rede, kurzer Sinn: Ich habe mir bei stoffe.de ein Restestück bestellt, das ein Gemisch aus 65% Baumwolle, 32 % Polyester und 3 % Elastan ist. Dazu eine Spitzenborte.
Der Stoff ist ziemlich schwer, und beim Bügeln kam so ein plastikartiger Geruch auf ... 5 Euro. Mehr sage ich dazu nicht. Da kann man nicht so viel erwarten, aber als Versuchsobjekt ist es okay.

Ach so - das ist mein Schnittmuster, ein Hemdchen aus der Burda 12/2007.


Ich dachte wirklich, dass ich das mit links nähe, aber ich habe natürlich diese Rechnung ohne Burda gemacht. :) Im Gegensatz zu anderen SM-Hersteller achtet Burda darauf, dass die meisten Kanten beim Nähen schon sauber verstürzt werden. Hat Vorteile, hat aber auch Nachteile, weil ich da nicht immer sofort drauf komme. Im Nachgang ist es allerdings dann logisch.

Bei dem Hemdchen war der Verschluss der Knackpunkt. Es sollte mit Knöpfen geschlossen werden, was an sich schon eine ziemlich bescheuerte Idee ist. Die Stelle ist ein bisschen ungünstig, oder? Na ja, Reißverschlüsse an Nachthemdchen kommen vielleicht auch nicht so gut an.

Also. Das Rückenteil ist entsprechend konzipiert, man muss die Linien für links und rechts beachten, es gibt einen Besatz und einen Umbruch. Bis ich rausgefunden habe, dass hier am Ende ein Untertritt für den Verschluss entsteht, hätte ich mir das Teil mit der Ovi schon fast wieder zerstört. Im letzten Moment habe ich noch geschaltet.


Die Knöpfe habe ich durch Kam Snaps ersetzt. 
Ich breche mir doch nicht die Arme, bevor ich ins Bett kann. 


Urspünglich wollte ich nur zwei Knöpfe machen (man kann noch die Kreuze erkennen), aber dann wurden es doch drei. Außerdem ist aufgrund der Missverständnisse zwischen Burda und mir eine kleine Längendifferenz zwischen dem Vorder- und Rückenteil. Auf der anderen Seite passt es aber genau, woraus ich schließe, dass ich irgendwas bei dem Verschluss verbockt habe.

Die Spitze wird zum Schluss aufgenäht. DAS hätte ich allerdings ein bisschen anders erwartet. Gerade am Vorderteil war es ziemlich kniffelig, den Ansatz zu verstecken.


Am Ende kam aber dann doch noch heraus, was ich wollte: Ein geglücktes Projekt, das schnell geht, das tragbar ist, und das mich auch mal wieder andersrum denken lässt, wenn die Gedanken gar zu festgefressen sind.


Auch wenn es nicht perfekt ist, hat es mir Spaß gemacht und es wird nicht das letzte Nachthemd sein, was ich genäht habe.

ZSA - Burda Spezial

Jenny von Buxsen hat zum Sommer-Special aufgerufen: Das wollte ich schon immer mal nähen.
Der Schnitt darf aus sämtlichen Burda-Zeitschriften ausgewählt werden.

Da bin ich sowas von dabei :)

Meine erste Burda habe ich in Dieburg an der Tankstelle gekauft. Wir kamen gerade von meinen Eltern, und bevor es zurück in den Pott ging, musste der Wagen getankt werden. Ich stand vor dem Zeitschrfitenregeal und die Burda fiel mir ins Auge. Ich fischte sie heraus, blätterte sie voller Erstaunen über die gar nicht spießigen Kleider durch, und nahm sie mit. Hey, es sind schließlich viele (Anfänger-)Modelle drin. Und die wollte ich alle nähen.




Na ja, geworden ist daraus natürlich nichts. Ich habe KEIN WORT verstanden, was in dieser anfängertauglichen Anleitung erklärt wurde. Inzwischen ist das zum Glück anders.

Es dauerte noch etwa ein Jahr, dann hatte ich ein Burda-Abo, etwa 1.000.000.000.000 Fehlversuche, und einen Kopfkleiderschrank voll mit den schönsten Kleider, von denen ich sofort hin und weg war, und sie am liebsten sofort nähen wollte.

Sie passen alle nicht in mein Leben, und es ist so ein bisschen wie in einem Lied: Das Herz schreit Ja, der Kopf schreit Nein.

Ich habe also für diesen Sew-Along eine ganze Menge Burdas durchgeblättert und festgestellt, dass fast in jeder Ausgabe etwas drin ist, was mich sofort anspricht. Und was ich Un-Be-Dingt nähen muss. Aber um auf dem Boden der Tatsachen zu bleiben, habe ich mich jetzt dazu entschieden, ein Kleid zu nähen, was ich schonmal genäht hatte - und was gründlich daneben ging.

Schnitt 124 aus Burda 12/2013

Es war der Schnitt für den WKSA2013. Ich war so Feuer und Flamme für das Kleid, habe extra eine Probe genäht, weil ich den Schnitt von Lang- auf Normalgröße angepasst habe, aber dann habe ich alles falsch gemacht, was nur falsch zu machen ging. Am Ende hatte ich zwar das Kleid, aber es war so schrecklich! Ich habe mich nicht wohl gefühlt, und habe mir damals geschworen, dass ich den Schnitt nochmal mache - dann aber richtig. Weil ich dieses Kleid einfach unbedingt haben will.

 
Der Stoff im Bild oben ist die Probe - das wird jetzt das Futterkleid. Als Oberstoff habe ich Leinen.
Ich weiß nicht, ob das alles so funktioniert, wie ich mir das vorstelle, das werde ich sehen. Auf alle Fälle wird das Kleid etwas kürzer und natürlich bleibt es ärmellos.
 
Ich freue mich auf den Sew-Along und reihe mich gerne bei Jenny mit ein.

Du merkst, dass Sommer ist....

... wenn Du morgens um sechs bei ausreichend Tageslicht Fotos für den MeMadeMittwoch machst.

Genau das schoss mir heute morgen beim Anziehen durch den Kopf. Eigentlich war für heute kein Post geplant, aber ich hatte noch Zeit - und schon Licht!

Heute trage ich das Shirt 108A aus der Burda 8/2014.

Ein einfacher Schnitt, jedoch ohne den vorgesehenen Verschluss mit Mini-Knöpfchen und Minimini-Schlinge am Ausschnitt.

Burda rät als Stoffempfehlung Jersey, aber ich habe einen einfachen Baumwollsatin genommen. Der Schnitt fällt groß genug aus, ich komme auch so bequem rein und raus.



Von dem Stoff hatte ich reichlich gekauft, und ich habe mich entschlossen, noch einen Rock daraus zu nähen. Das Foto in der Burda fand ich unmöglich, und ich dachte: Wer will so einen Rock denn tragen?

 
Sieht ein bisschen aus wie zwei lieblos aneinander genähte Lappen. Die technische Zeichnung hingegen war schon ein bisschen mehr aussagekräftiger:

Tatsächlich ist hier ein bisschen Form zu erkennen, und das Godet fand ich sehr interessant. Also habe ich den Rock genäht und war vom Ergebnis sehr überrascht.



Ich habe die kurze Variante genäht.Geändert habe ich am Schnitt nichts, der Bund könnte noch ein bisschen besser anliegen, aber ansonsten bin ich wirklich sehr zufrieden.

Rechts wird der Reißverschluss eingenäht.....

... und links ist das Godet. 

Ein echter Überraschungskanditat, ebenfalls aus der Burda 8/2014. Ich kann den Rock uneingeschränkt empfehlen.

Beide Teile zusammen sehen übrigens unmöglich aus. :)

Warum warst Du ein UFO?

Ich habe mein Nähzimmer umgeräumt und dabei zwei UFOs gefunden. Ein Kleid, bei dem ich es nicht schaffe, auf den Punkt genau zu nähen (evtl. habe ich hier beim Zuschnitt schon einen Fehler gemacht) und eine Jacke aus der Ottobre Frühjahr / Sommer 2/2015.




Den Stoff für diese Jacke hatte ich letztes Jahr im April bestellt, und ich weiß noch, wie toll ich ihn fand, und dass ich am liebsten sofort damit anfangen wollte.

Wie es dann halt manchmal so ist, verschieben sich Nähpläne. Der Plan, die Jacke aus der Ottobre zu nähen, hat sich bis Ende August, Anfang September verschoben, aber dann hatte ich endlich Zeit und Lust, mit der Jacke anzufangen.

Der Stoff ist wirklich ein Traum und perfekt für den Schnitt. Baumwolle, leicht stretchig und beschichtet. Das könnte doch eine perfekte Hundejacke werden! Auch war sie offensichtlich schnell zu nähen, denn auf Futter wird hier verzichtet, statt dessen wird viel mit Schrägband gearbeitet.

Ich fing also an, die Jacke zuzuschneiden, die Vorder- und Rückenteile zusammenzunähen. Alle Nähte habe ich zurückgeschnitten und mit Zickzack versäubert.


Ja, und dann? Dann landete die Jacke in der Schublade, wo ich sie jetzt wieder gefunden hatte. Auch all die anderen Materialien wie Ösen und Gummiband und Kordelstopper waren da - wieso habe ich also aufgehört, an der Jacke zu nähen?


Als ich in die Anleitung gesehen habe, dämmerte es mir:
Die Ärmel sollen eingereiht werden. Gute Idee, aber bei dem Stoff nicht so toll. Die Löcher, die durch die Reihnaht entstehen, würde man sehen. Auch das Kräuseln konnte ich mir bei dem Stoff schlecht vorstellen.
Aber deswegen habe ich gleich aufgegeben und die Jacke weggelegt?

Na ja, und dann fiel mir ein, dass ich mich an der Jacke festgenäht hatte. Irgend eine Naht war kniffelig, ich musste hier schieben und da drücken und hatte die Finger ziemlich nah an der Nadel. Die im Übrigen so eingestellt war, dass die Nadel automatisch unten blieb, damit ich das Füsschen heben konnte, ohne meinen Nahtpunkt zu verlieren.

Ich weiß nicht, wie ich es geschafft habe, aber auf einmal stach die Nadel in meinen Finger - den ich zum Glück schräg hielt, die Nadel donnert also nicht auf den Knochen - und kam unten wieder raus. Schön den Faden hinter sich her ziehend. Ich hab mich so erschrocken, dass ich einen Schrei hab fahren lassen, und mein Mann kam sofort angerannt und fragte: "Hast Du Dich festgenäht?"

Es ist nicht so, dass mir das öfter passiert, aber irgendwie hatte er wohl den siebten Sinn.
Nachdem der erste Schreck verflogen war, habe ich am Handrad gedreht, damit die Nadel wieder hochkam. Fast hätte ich noch auf das Pedal getreten! Noch ein Stich hinterher!

Ich war also wieder frei, hab den Faden aus meinem Finger gezogen, die Naht noch fertig genäht und dann die Jacke bei Seite gelegt, weil ich auf das Problem mit den Ärmeln jetzt wirklich keine Lust mehr hatte.

So lag also die Jacke in der Schublade und ich habe sie vergessen. Bis gestern.
Und weil ich wirklich nicht mehr wusste, was mein Problem damals war, hab ich die Ärmel einfach so eingesetzt und genäht wie immer. Ohne Einreihen. Es passte hervorragend.

Herausgekommen ist eine Jacke, an der ich wirklich nichts auszusetzen habe. Ich mag sie einfach so, wie sie ist.




Das Einfassen mit Schrägband habe ich bis jetzt bei keinem meiner Projekte gemacht, und es gefällt mir sehr. Auch wenn ich es in der Anleitung nicht so ganz verstanden habe, denke ich, dass ich es ganz gut hinbekommen habe.


Die Taschen werde ich noch mit ein paar Handstichen am Reißverschluss fixieren. Jetzt beim Foto machen fiel mir auf, dass die ziemlich lose rumhängen.


Die Kapuze ist sehr groß, das wäre das einzige gewesen, was ich im Vorfeld geändert hätte.


Hier auf dem Bild ist ganz gut zu erkennen, wo man beim Schnittmuster die Korrektur vornehmen müsste. Die Kapuze knickt ein.


Jetzt hoffe ich natürlich, dass die Jacke erstmal wieder in den Schrank kann. Aber erstmal geht es noch rüber zum CreaDienstag. Endlich bin ich mal wieder dabei!

Wir werden doch noch Freunde

Jersey, Halsbündchen und ich. Wir drei.
Ganz dicke werden wir noch. Ich spüre das.


In der aktuellen Burda ist ein Schnitt für ein einfaches Shirt drin. Die großen Ärmel und der U-Boot-Ausschnitt haben mir sofort gefallen.


 Also habe ich nach Stoff gewühlt (nicht, dass ich so viel hätte, aber Jersey liegt im Moment ganz unten) und etwas nach oben befördert, dem ich nicht nachheulen würde, falls es nicht klappen sollte.

 Shirt 101 aus Burda 6/2016
 
Den Schnitt gibt es in drei Varianten: zwei Shirts (die zwei unterscheiden sich "nur" im Fadenlauf) und eine Kleidervariante. Die Einfassung von der Kleidervariante habe ich für mein Shirt übernommen, weil diese offene Verarbeitung sehr schnell unfertig aussieht und ich das nicht mag.


Ich weiß, wie das Prinzip des Einfassens funktioniert, es hapert lediglich in der Umsetzung. Diesmal ist es mir aber wirklich gut gelungen. Vielleicht hab ich auch so langsam den Bogen raus?

 
Die restlichen Nähte waren ein Kinderspiel, schnell gemacht und mit der Ovi versäubert.


Weil das alles so gut funktioniert hat, wollte ich es tatsächlich wagen, und die Säume mit der Cover nähen. Ich habe noch nie etwas mit dem guten Stück genäht, weil sich noch nicht die Gelegenheit ergab und außerdem wusste ich, dass ich immer noch die drei Probefäden in unterschiedlichen Farben eingefädelt hatte. Ich musste praktisch bei Null wieder anfangen, und mir erstmal ansehen, wie das mit dem Einfädeln geht. Als ich das dann so weit hatte, war ich lange lange mit der Fadenspannung beschäftigt. Ich habe es bis jetzt nicht hinbekommen.


Irgend eine falsche Einstellung sorgt dafür, dass die Naht zusammengezogen wird und auf der rechten Seite entsteht eine kleine Wurst. Auf der linken Seite sieht die Naht auch nicht besser aus. Vielleicht ist einfach der Stoff zu dünn?


Ich weiß es nicht, ich muss auch hier noch eine Menge Erfahrung sammeln. Die erste Suche im Netz nach Fehlstichen und deren Ursachen bei der Cover lieferten mir leider nicht die gewünschten Ergebnisse. Ich muss noch ein bisschen wühlen und ausprobieren. Das gute an der Cover ist, dass Fehlnähte sehr schnell wieder aufgezogen sind und keine bleibenden Schäden hinterlassen.


Weil ich das Shirt aber nicht aufgeben wollte, habe ich mit der Zwillingsnadel die Säume genäht und voilà - fertig ist das gute Stück.


Ach, es tut gut, nach dem letzten Reinfall ein Erfolgserlebnis verbuchen zu können.

Auf dem MeMadeMittwoch-Blog ist heute Nadine Gastbloggerin  - da geselle ich mich gerne dazu.