Das wahrscheinlich 1. und letzte Sommerkleid 2016

Ich hatte es ja schon angekündigt, dass ich wieder ein Burda-Kleid nähen wollte, um einfach mal wieder ein Erfolgserlebnis zu haben. Rausgesucht hatte ich mir den Schnitt 105 aus der Burda 06/2016. Mir gefielen die Teilungsnähte (auch wenn ich wusste, dass das sehr fummelig wird) und der angedeutete Gürtel.


Frohen Mutes habe ich mich ans Werk gemacht - und was soll ich sagen: Bei Burda und mir flutscht es einfach. Ich müsste halt nur richtig lesen können und alle meine Schnittteile im Blick behalten. Aber dazu später mehr. Zuerst ein bisschen burda-deutsch / deutsch-burda.

Hals- und Armausschnitte, Seitennähte
Zuerst müssen die vorverlegten Schulternähte gesteppt werden, und zwar an den Oberteilen sowohl auch am Besatz. (Vorverlegt deswegen, weil die Nähte nicht AUF den Schultern, sondern ein paar Zentimeter tiefer sitzen. Auf der Zeichnung ist das sehr gut zu erkennen.)

Im Bild oben der Besatz, unten liegt das Kleid. 


Als nächstes wird der Besatz rechts auf rechts auf das Vorder- und Rückenteil vom Kleid gesteckt und festgesteppt, und zwar am Hals.....


... und auch an den Armausschnitten.


Nach dem Steppen werden die Nahtzugaben gekürzt und eingeschnitten.

Das Einschneiden ist lästig, aber wenn man möchte, dass sich der Stoff schön in die Rundung legt, dann ist es unvermeidlich.

So, jetzt kommt das Wenden.
Die Vorderteile werden zwischem Besatz und Oberstoff durchgeschoben.

Hier ist ja so eine Art Tunnel entstanden, und wenn ihr so einen tollen, rutschigen Stoff wie ich habt, dann geht das fast von alleine.

Einfach das rechte Vorteil nehmen und durch den rechtenTunnel schieben.
Am anderen Ende wieder rausziehen und - ZACK! Saubere Kanten.

Jetzt wird es ein bisschen fummelig: Die Nahtzugabe wird auf den Beleg gesteppt, soweit wie es geht. Zuerst dachte ich, das geht überhaupt nicht, aber als der Stoff unter dem Füßchen lag, war ich überrascht, wie weit man kommt.

Auch das ist etwas, was sich lohnt. Das ganze wird noch ordentlich gebügelt, und der Besatz bleibt drin und blitzt nicht hervor.

Jetzt kommt ein Satz, den hab ich früher auch nie so richtig verstanden:
Die Seitennähte am Kleid und fortlaufend am Besatz steppen.

Die Seitennähte am Kleid ist ja klar, aber fortlaufend der Besatz??
Ganz einfach: Der Besatz wird nach oben gelegt, also einfach rumklappen, so liegt alles rechts auf rechts.


Jetzt wird von unten her zuerst die Seitennaht und dann - dort wo die gestrichelte Linie ist - der Besatz gesteppt.


Und wenn man das jetzt wieder zurückklappt, und man guckt von oben in das Armloch rein, sieht es so aus:


Es lief so super mit dem Kleid!
Kein HÄÄÄÄ, kein wiezumgeiersolldasgehen - alles tutti.

Allerdings habe ich mich etwas gewundert, als ich den Gürtel genäht habe. Der war doch arg schmal und laut Beschreibung soll der viermal im Abstand von einem Zentimeter abgesteppt werden. Das ging überhaupt nicht! Dreimal habe ich ihn abgesteppt, und ihn dann zwischen die viel zu breiten Passzeichen gelegt. Hach, und lang war der! Komisch, komisch - aber ich habe mich nicht beirren lassen und einfach weitergemacht.

Bis ich dann die vordere Blende gesucht habe.

Na ja.

Ich habe mich ein bisschen gehasst, dass ich einfach nicht ordentlich lese und nicht darauf achte, was ich auf meine Schnittteile schreibe, und nicht stutzig werde, weil ich so stutzig wurde.

Ich hab die vordere Blende zum Gürtel gemacht, das konnte ich nicht mehr ändern. Die Schnittteile vom Gürtel lagen einfach an einer anderen Stelle und nicht bei den anderen Teile, ich hatte sie nicht im Blick. Den Gürtel konnte ich natürlich noch machen (auch dann in der richtigen Breite und viermal abgesteppt und nicht so lang), aber die Blende, die tat mir weh. Zumal ich von dem Stoff nichts passendes mehr übrig hatte. Ich musste also stückeln. Aber pssst!! Es fällt kaum auf.

Tragefotos vom fertigen Kleid kommen die Tage, denn es soll ja nochmal richtig heiß werden, und dann wird das Kleid natürlich auch direkt ausgeführt.
Ich hätte gestern gerne noch welche gemacht, weil ich so happy bin mit dem neuen Kleid, aber uns kam ein Notfall dazwischen. Ein verletzter Sperber ist in unserem Garten notgelandet, und der ging dann erstmal vor. Wir haben ihn eingefangen und zu einer Vogelauffangstation gebracht. Danach war es schon zu dunkel, um noch ein paar Fotos zu schießen.

Dranbleiben lohnt sich also - es gibt auch Knopflöcher.

Kommentare

  1. Eine schöne Farbe für ein sommerliches Kleid. So, wie du das Füttern beschreibst, mache ich es auch meist und das flutscht wunderbar. LG Carola

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  2. ich bin schon sehr gespannt auf das fertige Kleid. Die Farbe ist toll!
    LG, Tina

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  3. Unterhaltsam UND lehrreich - herrlich geschrieben!
    Die Farbe ist wirklich klasse - das Kleid ebenso. Auf Fb geluschert :)
    Liebe Grüße,
    Sandra

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  4. Diese Art des Verstürzens habe ich auch erst in diesem Jahr kennen - und was soll ich sagen - lieben gelernt. So easy und sauber! Ich habe die Anleitung allerdings aus einer ottobre. Die ottobre ist einfach mein Favorit unter den Nähzeitungen!

    Auf dein Kleid bin ich gespannt!

    Liebe Grüße Irene

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  5. das wird schick! (der Schnitt steht auch noch auf meiner Liste, das war bisher ein recht ergiebiges Burda-Jahr :))

    LG Maria (auch ein burda-Gewohnheitstier...)

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  6. HaHa, ich habe kurz gestutzt - 'Burda' und 'Erfolgserlebnis' in einem Satz widerspricht sich bei mir irgendwie *seufz*. Aber dafür sind deine Artikel und "Burda-Übersetzungshilfen" immer lehrreich und gern gelesen. Bin schon gespannt auf die Tragebilder.

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  7. Jeder muss sein eigenen Weg finden um mit der Burdasprache zu recht zu kommen, aber als Belohnung hat man ein schickes! Kleid :).
    LG
    Ewa

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  8. Sehr schöner ausführlicher Bericht, das mit dem Wenden geht wohl nur bei dünnen Stoffen oder....lese manchmal auch die Anleitungen nicht komplett, bin zu ungeduldig. Dafür ist ein Probekleid gut.
    LG schurrmurr

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