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Zwei TFTs und warum ich doch bei altbewährten Mustern bleibe

Als ich die Tage gemeinsam mit meinem Hund übers Feld gelaufen bin ..... (hört sich so schön idyllisch an, nicht wahr? In Wirklichkeit hat er sich in stinkenden Hinterlassenschaften gewälzt und ich hab es zu spät gemerkt, weil ich in Gedanken war.)

Also nochmal.

Neulich Abends bei der Gassirunde mit dem Hund.
So. Besser.
 
Ich habe mir viele Gedanken gemacht, warum ich wohl in letzter Zeit so gar keinen Antrieb mehr habe, an die Maschine zu gehen. Nachdem ich mir selbst mehrere Ausreden zurecht gelegt habe, kam ich irgendwann zu dem Schluss: Weil das, das ich produziere, einfach nicht das ist, was ich brauche. Und so langweilig ist mir im Moment auch nicht, dass ich einfach nur so vor mich hinnähe und anschließend die Sachen in den Schrank hänge.

Es ist so:
Ich mag Kleider mit schwingendem Rock - aber nicht an mir.
Ich finde Blusen aus feinen Stöffchen unwiderstehlich - aber dazu fehlt mir die Geduld.
Gerne nähe ich mir für einen besonderen Anlass auch etwas besonderes, aber wenn ich diesen Anlass nicht habe, dann schaffe ich es noch nicht mal, ein fertiges Kleid zu kürzen und zu säumen. Für was denn auch?

Ich muss endlich mal anfangen, die Dinge zu nähen, die ich auch trage. GERNE trage. Und das ist nunmal Jeans und T-Shirt. So. Zack, bums, aus.
Schwingende Röcke werde ich definitiv streichen; genauso die Versuche, mit anderen Nähzeitschriften glücklich zu werden.

Beispiel Eins:
Ich wollte aus der Fashion Style ein Shirt nähen, ein ganz einfaches Sirt. Aber schon das Abnehmen des Schnittes vom Bogen war ein Akt.


 Bis das Shirt zugeschnitten war, waren fast zwei Stunden vergangen.
 

Eine Seitennaht wird genäht (die linke Seite), und wo die Falten sind, ist keine Naht sondern der Umbruch. Das führt dazu, dass die Armlöcher unterschiedlich aussehen und das gefällt mir schonmal nicht.

 Hier ist das Armloch, wie es sein sollte. Oben die Schulternaht, unten die Seitennaht. Saumzugaben eingeschlagen, festgesteppt, fertig.

Dieses Armloch wirkt ganz komisch. Obwohl oben auch die Schulternaht ist, bekomme ich das Armloch nicht rund, sondern es wird eher tropfenförmig.

Und so krumm und schief, wie das Shirt auf der Puppe hängt, so hängt es auch an mir. Ich werde es als Nachthemd tragen, aber zu mehr ist es nicht wert.


Beispiel Zwei:
Ich  wollte die Bluse aus der Nähtrends machen. Auch nix besonders, mit seitlichen Abnähern und Raglanärmel.

Ich fand die seitlichen Abnäher so interessant und wenn man weiß, wie man die Teile zuschneiden muss, dann kann man die auch ganz gut nähen. Bei der Anleitung ist das leider überhaupt nicht beschrieben.

Was mich aber viel mehr ärgert: Der Halsausschnitt, der wird doch eingefasst. Da wird ein Schrägstreifen zugeschnitten, und damit wird das Ding eingefasst.

Ja. Dachte ich.


Aus den Schrägband wird ein Bindeband. Passzeichen sehe ich zwar, aber diese Passzeichen passen zu den Ärmeln. Außerdem steht weiterhin in der Anleitung, dass man mit den Bändern den Ausschnitt zusammenzieht und sie anschließend zu einer Schleife bindet. Ich mag kein Schleifchen an meinen Klamotten, und weder auf den Fotos noch auf der technischen Zeichnung ist ein Schleifchen zu sehen. Zweiter Schnitt aus der Zeitschrift, zweiter Reinfall - künftig bleibt sie im Regal. Ich hab keine Lust auf solche Überraschungen und muss mir auch hier ne Lösung suchen. Evtl. werde ich den Ausschnitt raffen und mit einem Gummiband nähen. Oder irgendwie sowas.

Das sind Dinge, die lassen meinen inneren Monk ganz laut aufstöhnen. Das geht doch so nicht! Wir sind doch alle keine Profis, wir brauchen klare Anleitungen! Vernünftige Schnittmuster, die farblich abgesetzt und mit allen nötigen Passzeichen versehen sind.

So habe ich mich wieder der Burda zugewandt, und was soll ich sagen: Für zwölf Teile für ein Kleid brauche ich nur halb so lang, wie für die fünf Teile für das Shirt aus der Fashion Style. Ich muss nichts kleben, ich muss nichts suchen. Nur abmalen.

Das Kleid hätte ich ganz gerne als Sommerkleid gehabt, aber da mache ich einfach mal einen Haken dran. Sommer ist dieses Jahr nicht. Allerdings kann ich mir das auch gut mit einem LangarmShirt darunter vorstellen.

Die Rockform gefällt mir sehr gut und in der A-Linie fühle ich mich halt auch am wohlsten. Wenn ich mal so durch meinen Kleiderschrank gucke, dann hat mein Unterbewusstsein das schon lange gewusst.





















Alles Rockformen, in denen ich mich sehr, sehr wohl fühle. Also bleibe ich künftig auch dabei.

Das Burda-Kleid liegt schon bereit, und ich freue mich darauf, endlich wieder was zu nähen.

Kommentare

  1. Das Kleid hab ich auf einem anderen Blog schon genäht gesehen - wunderschön. Das wird was! Kann ich frühestens aber nächstes Jahr...
    Und das Kennenlernen der eigenen Vorlieben, Farben und Formen ist ja auch ein Vorteil am selber Nähen. Frau beschäftigt sich mit den Kleidungsstücken dann einfach mehr.
    Hier wars: http://loweryourpresserfoot.blogspot.de/2016/07/burda-of-month-062016-104-sheath-dress.html

    LG
    Martina

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    1. Danke für den Link! Ich finde es immer spannend zu sehen, wie andere den gleichen Schnitt umgesetzt haben.

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  2. Naja, zumindest einen Eerkenntnisgewinn haben die Flops gebtracht. Nähtrends ist doch die spanische Patrones auf deutsch, kann das sein? Bei Patrones war es nämlich schon früher so, dass die Schnitte manchmal nur ungefähr so sind wie Schnittzeichnung und Fotos. Also wirklich Zufall, wenns klappt - aber so war dein Blogtitel sicher nicht gemeint!

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    1. Dann bin ich ja beruhigt, wenn das mit dem Erfolgserlebnis bei der Patrones schon immer nach dem Zufallsprinzip funktionierte. Das ist eigentlich sehr schade, denn die Schnitte - also die Fotos - die sehen immer sehr gut aus.

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  3. ich gratuliere Dir zu dieser wichtigen erkenntnis!wir nähen schliesslich für uns selbst!
    vor so ziemlich genau einem jahr schrieb ich einen post,der viele reaktionen hervorgerufen hat. es ging genau darum,. dass die kleidung zu unserem leben passen sollte.ich lebe danach und das fühlt sich gut an.
    bei beschreibung von patrones musste ich schmunzeln...das ist wirklcih so mit den- ich habe mit patrones eine hass-liebe, kann nicht mit und auch nicht ohne- die ideen sind toll.aber es ist wie gewollt und nicht gekonnt.mein job diktiert mir, viele blusen haben/tragen zu müssen.also, nähe ich mir viele blusen.die brauche ich schliesslich wirklich und sie werden auch gnadenlos getragen..

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    1. Genau: Wir nähen für uns selbst. Das trifft den Nagel auf den Kopf. Deswegen ist es mir auch letztes Jahr so unendlich schwer gefallen, ein Kleid für die Hochzeit meines Bruders zu nähen. Ich wollte unbedingt etwas haben, was richtig viel her macht und dem Anlass entsprechend ist, und die ganze Zeit über hatte ich einen Tellerrock mit Petticoat drunter im Sinn - aber das passt einfach nicht zu mir! Ich war so geblendet von dieser Wunschvorstellung, dass ich letzten Endes auf den letzten Drücker was kaufen musste. Hätte ich mir damals schon eingestanden, dass die A-Linie am besten geht, dann hätte ich mir auch zur Hochzeit was tolles nähen können.

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  4. Dein Problem kenne ich nur zu gut. Was man gerne näht, passt leider nicht zum eigenen Alltag! Ich nähe total gerne Kleider, ich trage auch gerne Kleider - habe im Alltag allerdings kaum Gelegenheit dazu. Da ich in einer Klinik arbeite, demnach Arbeitskleidung trage, hole ich nicht für den Weg zur Arbeit (den ich häufig mit dem Rad fahre) ein feines Kleidchen aus dem Schrank. Dann kommt noch das Wetter dazu - einige meiner Sommerkleider durften in diesem Sommer noch gar nicht an die Sonne!

    Auch ich habe mir so meine Gedanken über mein Nähverhalten gemacht. Im letzten Jahr habe ich einige alltagstaugliche Shirts genäht, die sehr häufig im Einsatz sind. Zugegeben: ein Shirt zu nähen macht nicht soo viel Spaß, es anzuziehen und auch da etwas Selbstgemachtes zu haben, schon.

    Ansonsten nähe ich auch nach Anlass und gerne abwechslungsreich. Abwechslungsreich auch im Anspruch: ich mag gerne schnelle Projekte, Zuschnitt und Fertigstellung in einem Rutsch, ab und zu aber auch mal wieder was Anspruchsvolles. Mein nächstes größeres Projekt gibt ein Trenchcoat. Klassischer Schnitt, ungewöhnlicher Stoff. Darauf freue ich mich schon!

    Das Schöne am Selbstnähen ist ja auch die Weiterentwicklung und auch Projekte, die vordergründig erst mal nicht der Knaller sind, kann man im Nachhinein oftmals unter "wichtige Erfahrung" verbuchen.

    In diesem Sinne bleiben wir kreativ und leben damit, dass man nicht immer gewinnen kann.

    Ganz liebe Grüße Irene

    P.S. Die Kleidungsstücke auf den Fotos am Ende Deines Posts, gefallen mir allesamt sehr gut. Allerdings finde ich die Rocklänge überm Knie viel jugendlicher und frischer als die längere Variante, die kannst Du in 20 Jahren noch tragen ;)!

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    1. Ja, es ist ärgerlich, wenn man hauptsächlich Arbeitskleidung tragen muss. Das schöne selbstgenähte Kleid kommt da leider echt zu kurz.
      Ich könnte im Büro zwar tragen, was ich will, aber ich habe mir ja jetzt vorgenommen, dass ich mich hauptsächlich wohlfühlen will. :)
      Und jahaaa, ich halte mich an Deinen Vorschlag, den Saum über dem Knie enden zu lassen. :)))

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  5. Ich nähe bewusst auch nur noch, was ich auch garantiert häufig anziehen und lieben werde. Mache daher mittlerweile für ALLES n Probemodell.

    Und die neuen Nähzeitschriften habe ich auch ausprobiert und bin eher "unterwältigt". Unstimmige Nähanleitungen find ich sowas von unprofessionell, da kommt bei mir der innere Alan Harper raus und regt sich auf. Ich schätze die Burda jetzt noch n bisschen mehr.

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    1. Genauso geht es mir auch. Ich rümpfe oft die Nase, sage: "Ach Burda, was haste denn da wieder gemacht?", und dann sehe ich andere Nähzeitschriften, stürzte mich drauf und schon beim Schnittmuster abnehmen denke ich: "Burda? Hallo? Ich vermisse Dich. <3"

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  6. Zwar finde ich es gut, dass es mittlerweile einige alternative Nähzeitschriften zu Burda gibt und ich habe mich auch schon verführen lassen, die ein oder andere zu kaufen, komme aber letztlich meist auf Burda zurück.
    Die Schnitte passen mir ganz gut, ich komme mit dem Bogen, der Anleitung und der Maßtabelle gut zurecht und letztlich finde ich alles was ich nähen möchte auch bei Burda oder kann es nach meinen Vorstellungen abwandeln.
    Oft geht es mir im Vergleich so, dass ich denke, diesen Schnitt aus einer anderen Zeitschrift gibt es auch so oder ähnlich bei Burda. Mittlerweile möchte ich auch gar nicht mehr so viele Zeitschriften oder neue Schnitte anhäufen; ausgefallene Sachen brauche ich für mich selten; meist nähe ich sowieso Basics.
    LG von Susanne

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    1. Genauso geht es mir auch. Wenn man sich mal durchgekämpft hat, dann wird man auch mit sauberer Arbeit belohnt.

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  7. Hallo Sandra,
    Du sprichst mir aus der Seele. Das was frau am liebsten trägt, soll sie nähen. Bei mir hängt auch manches selbstgenähtes Stück im Schrank: 1x oder 2x getragen, es gefällt mir auf dem Bügel, in der Zeitschrift, aber ich fühle mich nicht wohl darin. Ich habe kaum Gelegenheit feine Sachen zu tragen weil ich sie nicht echt brauche. Ich nähe/kaufe mir kaum Sommersachen weil es da wo ich wohne selten echt schwül/heiss/warm wird. Immer weht ein Wind, übers T-Shirt muss eine Weste/Pulli. Sommerkleider kann ich fast vergessen.
    Was die Schnitte angeht: ich kann so die Knip kaufen, aus der Bibliotheek leihen und jedesmal stolpere ich über die Passform, die Schnitte sind nichts für mich, T-shirt geht, etwas aus Strickstoff geht, aber alles aus Webware kann ich vergessen. Ich lobe mir die Burda, da weiss ich, worauf ich achten muss beim Zuschneiden, ich habe vertrauen in die Schnitte. Alle anderen Zeitschriften lasse ich, vielleicht mal eine Ottobré, aber da sind die Anleitungen auch sehr mager.
    Auch E-Books bin ich gegenüber kritisch: teilweise (oft)von Laien hergestellt, oft eine schlechte Passform, würden die jungen Frauen es so von der Stange kaufen? Ähnliche Schnitte gibt es fast immer in der Burda.
    Übrigens kaufe ich längst nicht alle Ausgaben.
    Gruss me3ko

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    1. Bei anderen Zeitschriften - gerade in der Patrones, also die NähTrends - ist ein ganz anderer Stil als in der Burda. Pfiffig, modern, sportlich und trotzdem chic und alltagstauglich. Ich finde die Schnitte super, aber wenn man dann eintaucht und schon nach zehn Minuten denkt: "Äh, so geht das nicht", dann muss ich leider, leider Abstand davon nehmen.
      E-Books habe ich nur eines, und das ist Mrs. Klassik. Und da habe ich auch ewig überlegt, ob ich das tatsächlich wagen soll. Aber ich wurde positiv überrascht.

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