Ob ich meinen August-Schnitt noch schaffe...?

Guten Morgen da draußen an den Endgeräten!

Es ist Montag, der 14.08.2017, und ich habe noch nichts - niente, nada, nothing - für meinen August-Schnitt getan. Und das liegt nicht daran, dass ich vor lauter Entsetzen über das weiße enge Kleid in dieser Ausgabe wie gelähmt im Nähzimmer sitze.

Ich finde die Präsentation von diesem Schnitt wirklich sehr unglücklich...
 


... und blättere immer ganz schnell über dieses Foto hinweg. Am liebsten hätte ich ja noch ein paar Teilchen für den Urlaub, aber ab August geht die Burda immer ganz steil auf den Herbst zu.

Also habe ich mir erstmal einen Rock aus der Fashion Style vorgenommen. Nichts besonderes, einfach nur ein Teil, um meine neu gewonnene Hosen-mit-Gummibund-sind-nix-für-mich-Erkenntnis ein bisschen besser runterschlucken zu können.

Während ich so vor mich versäuberte, steckte und nähte, ging die Lust auf diesen Rock flöten. Es war so langweilig! Ich musste gar nicht die Anleitung studieren und die Sätze fünfmal lesen, um zu verstehen, was gemeint war. Ich hätte den Rock einfach so in einem Rutsch durchnähen können - aber jegliche Motivation war weg. Sie kam auch nach ein paar Tagen Pause nicht wieder.

Deswegen habe ich gestern nun endlich den angefangenen Rock in die Schublade gelegt (zum Wegwerfen ist er zu schade und falls ich doch wieder etwas soooo langweiliges nähen möchte, weiß ich, dass ich noch einen Rock habe), mir nochmal die August-Burda geschnappt und mich dazu entschlossen, das "Master-Piece" zu nähen.


Das sollte doch mal genug Herausforderung sein :)

Stoff habe ich noch keinen, den werde ich mir heute nach der Arbeit kaufen. Und dann mache ich mich an den Zuschnitt. Das einzige, was mir bei dem Schnitt überhaupt nicht schmeckt, ist die Tatsache, dass ich mit meinen 40 Jahre alten Knien wieder auf dem Boden rumkriechen muss, aber ich will es ja nicht anders. Ich könnte mir ja auch einen Pulli nähen, aber ich möchte auf GAR KEINEN FALL mieses Wetter provozieren und die entsprechende Kleidung mit in den Urlaub nehmen. Ich erwarte Sonne, blauen Himmel und Temperaturen jenseits der 25-Grad-Marke und deswegen gebe ich mir auch besonders Mühe, in denen mir noch verbleibenden 14 Tagen ein richtig schönes Wolkenschieberkleid zu nähen.

Warum Grün nicht immer die Farbe der Hoffnung ist

Dieser Post war eigentlich ganz anders geplant.
So gerne wollte ich euch von einem Erfolgserlebnis berichten und eine richtig gut sitzende Hose zeigen, aber daraus ist nichts geworden.

Ich fange mal vorne an. Könnt ihr euch noch an die grüne kurze Hose erinnern?
Hier habe ich die Hose gezeigt und von den Problemen berichtet, die ich hatte.

Inzwischen habe ich Tragefotos gemacht und wenn ich das so sehe, bin ich zufrieden. Sie wird ihren Sinn und Zweck erfüllen.


Die Hose ist in erster Linie dazu gedacht, sie im Urlaub am Strand zu tragen. 
Für alles andere ist sie zu "lässig".
 

Das liegt weniger am Schnitt, sondern mehr an der Tatsache, dass mir diese Hose ein bisschen zu groß ist und ich auch nicht den perfekten Stoff dafür genommen habe.


Weil ich dachte, dass der Schnitt trotzdem Potential hat, habe ich mich an eine zweite Version gewagt. Ich habe den Schnitt eine Nummer kleiner zugeschnitten. Außerdem habe ich die Mehrweite unterm Po rausgenommen (s. Pfeil) und oben am Bund etwas dazugegeben. Der blaue Strich zeigt die ursprüngliche Schnittkante an; ich habe zur rückwärtigen Mitte hin etwa einen halbe Zentimeter nach oben hin korrigiert. Ob das so richtig war, weiß ich nicht, mir ist auf alle Fälle nichts zu viel oder störend vorgekommen.


Die Hose habe ich genauso genäht, wie die grüne Vorgängerin auch - mit all den gleichen Fehlern. Lucy von Nahtzugabe hat vor kurzem einen netten Post geschrieben, und auch von den Tücken der Routine erzählt.

Die erste Anprobe war vielversprechend. Die Passform war sehr viel besser. Obwohl der Stoff sich als weiteren Griff in den Klo rausgestellt hat. Eigentlich noch schlimmer als Leinen. Er ist rutschig und lässt sich nicht bügeln. Den Gürtel musste ich absteppen, um nicht zwei dicke Würste da vorne hängen zu haben. Ihr kennt das vielleicht. Wenn der Stoff aussieht wie aufgeblasen.

Also, die Hose saß besser, ich zog das Gummiband in den Tunnel - und hatte genau die gleiche Scheiße (entschuldigung) wie vorher auch. Entweder habe ich ne Hüfthose, und der Hintern hängt mir fast bis in die Kniekehlen, oder ich ziehe die Hose bis in die Taille und dann schrumpelt der Gummi zusammen, es gibt ne Menge Beulen am Bund, und die Hose sieht wieder wie eine Windelhose aus. Ohne überheblich zu wirken, aber ich glaube, ich hab zu wenig Taille und zu viel Hüfte für ne Gummizug-Hose.

Ich zeige Euch das mal:



Bei meinem ersten Post zu diesem Schnitt wurde mir geraten, Abnäher in die Hinterhose zu nähen. Die müssten dann wirklich sehr klein sein, damit ich die Hose über die Hüfte bekomme, lohnt sich also nicht wirklich. Die Hose sitzt am Hintern nämlich ganz gut, das Problem ist und bleibt der Gummibund.

Im Übrigen habe ich bei der zweiten Hose das Gummiband an der richtigen Stelle angenäht und nicht so wie bei der grünen Hose in der Seitennaht. Bei der Variante ging das bedeutend besser. Das war es aber auch, was geklappt hat.

Was soll´s. Es war ein Versuch wert, es funktioniert nicht, also nähe ich was anderes.
Wird mal wieder Zeit für einen Rock, oder? 

Der Juli-Schnitt - jetzt endlich Tragefotos

Nach dem ich hier und hier schon ausgiebig von der Her- und Fertigstellung vom Juli-Schnitt (Kleid Nr. 117B aus der Ausgabe 07/2017) berichtet habe, gibt es heute endlich die Tragefotos dazu. Juchu!


Mein Stoff verschluckt ein paar Details, wie z. B. den kleinen Riegel an der Seite...


... und den schlecht eingenähten Reißverschluss am Rücken. Dass die Nähte nicht exakt aufeinander treffen, kann man dank den 100.000 Blümchen wirklich nicht erkennen.


Das Kleid hat einen kompletten Rock und eine Überrockbahn. Wenn es also recht windig ist, dann flattert nur der Überrock, alles andere bleibt an Ort und Stelle (bereits getestet).


Meine üblichen Bedenken, ob das Kleid vielleicht für das Büro zu kurz sein könnte, habe ich einfach mal über Bord geworfen. Und siehe da: es hat auch keiner gemeckert.


Das Kleid ist super an heißen Tagen: einfach überziehen und wohlfühlen. Es schmiegt sich am Rücken nicht ganz so an, wie ich erhofft habe, aber als Hängerchen geht es auch nicht durch.

Mein Fazit: Ein schöner, einfacher und unkomplizierter Schnitt, der auch richtig was hermachen kann, wenn man ihn zweifarbig näht (so wie eine Variante in der Burda). Ansonsten durchaus sommertauglich und durch die zusätzliche Überrockbahn blickdicht. Es ist ein bisschen schwierig, das Oberteil an die Unterteile zu nähen, aber mit ein bisschen Geduld und Spucke (und einem ordentlichen Zuschnitt) auch kein Problem. Als Stoff habe ich einen festen Bauwollstoff gewählt. 

Von mir gibt es beide Daumen nach oben!

Die Hose aus der Fashion Style

Ich habe es endlich geschafft und Tragefotos gemacht.
Wer sich nicht mehr erinnern kann: Hier und hier habe ich schon zu dieser Hose gebloggt.

Mir gefällt die Hose so, wie ich sie hier trage, sehr gut. Die Länge ist auf flache Schuhe ausgelegt.



Besonders gefällt mir, wie ich meinen Hintern gerettet habe :)))
Nein, jetzt mal im Ernst. Es hätte nicht schön ausgesehen, wenn ich die Hose so genäht hätte, wie es der Schnitt vorgibt. Durch die Korrektur der Schrittnaht habe ich ein bisschen mehr Form reingebracht. Natürlich ist es immer noch nicht perfekt. Ich könnte locker noch ein bisschen Mehrweite unter dem Po wegnehmen, damit die Hinterhose schnurgerade fällt und nicht diese schrägen Falten wirft, aber diese Korrektur geht nur im Schnitt, nicht am Stoff.



So weit, so gut. Kommen wir jetzt zu dem, was mir nicht gefällt.


An den Hüften ist die Hose zu eng, deswegen stehen die Hosentaschen auf (vermute ich mal).
Und die Knöpfe für die Riegel müsste ich auch weiter Richtung Seitennaht verlegen, denn dort, wo sie jetzt sind, verursachen sie Zug auf den Riegeln und die Spitzen vorne stehen ab. Ich hatte die Hoffnung, den geraden Bund mit den Riegeln ein bisschen anpassen zu können, aber das sieht nichts aus. Ich müsste so viel anpassen, dass der Stoff sich sichtbar wellt und Falten wirft und das alles aussieht wie gewollt und nicht gekonnt.


Um die Hose perfekt zu machen, müsste ich sie einfach nochmal nähen, und die Änderungen im Schnitt vornehmen. Auch würde ich sie nicht so hoch machen. Sie reicht mir fast bis an die unterste Rippe. Und ich würde ein bisschen Elastan im Stoff vorziehen.

Egal. Ich bin happy mit dieser Hose!
Deswegen bleibt jetzt alles genauso, wie es ist. Die Hose kann getragen werden, sie kneift nirgends und ich fühle mich wohl darin.


Was habe ich mir denn da zurecht gebügelt? So gehört das natürlich nicht, vor dem nächsten Tragen muss ich nochmal ran.

Zum Vergleich der Passformen Burda vs. Fashion Style kann ich eigentlich nicht viel sagen. Bis dato habe ich immer versucht, die schmalen, eng anliegendenden Hose aus der Burda zu nähen, und nicht solche mit weitem Bein. Von daher wäre das jetzt so, als würde ich Äpfel mit Birnen vergleichen wollen. 

Ich finde, solche weiten Hosen sind einfacher zu nähen als eng anliegende, weil man nicht so viel formen muss. Leider habe ich keine passende Jacke dazu. Hoffentlich dauert es noch lange, bis der Herbst kommt, dann habe ich noch Zeit genug, mir einen schicken Kurz-Mantel zu nähen....:)

Der Urlaub kommt immer näher...

... und die selbstnähte Urlaubsgarderobe wird immer mehr.

Während im Moment viele von Euch in der Sonne liegen, ihren Urlaub genießen und faulenzen, trotze ich hier zu Hause dem Regen, gehe jeden Tag ins Büro und sitze abends mit großer Freude an meiner Nähmaschine.

Ich wusste, dass sich eines Tages die harte, harte Schule der Burdaanleitungen bezahlt macht, und ich ein Projekt nach dem anderen abarbeite. Nie hätte ich geahnt, dass Nähen mal so viel Spaß machen würde! OMG, ich weiß noch am Anfang, als ich nur Misserfolge hatte, und vor Wut am liebsten alles aus dem Fenster geschmissen hätte. Und zwar von ganz oben, am besten vom Dach, damit auch wirklich alles am Boden zerschellt.

Inzwischen bin ich nicht nur sehr viel ruhiger geworden, sondern habe auch eine ganze Menge gelernt. An meine letzte Vollkatastrophe kann ich mich so spontan gar nicht mehr erinnern :)

Mittlerweile wächst auch die Freundschaft zwischen der Fashion Style und mir. Ich habe schon wieder eine Hose genäht, aber diesmal eine kurze. Hier habe ich lange überlegt, welchen Stoff ich dafür nehmen kann, und habe mich dann für Leinen entschieden. 

Schön unscharf :)

Die Hose hat am rückwärtigen Bund einen Gummi, womit man sich den Reißverschluss erspart. Außerdem habe ich mir einen schönen Sitz in der Taille davon versprochen.

Zugeschnitten habe ich die Hose in Größe 38, im Nachhinein hätte Größe 36 auch locker gepasst. Auch war Leinen nicht die beste Wahl, aber dazu später mehr.

Genäht war die Hose recht fix, die erste Anprobe habe ich gemacht, bevor ich das Gummiband festgenäht habe.


Sieht alles sehr wüst aus, die Schlaufen hängen noch runter, der Bund vorne ist hochgeklappt, der Gürtel baumelt links und rechts - aber ich hatte das Gefühl, dass die Hose passen würde. Also habe ich alles festgenäht und die Hose nochmal angezogen.



Tja, also irgendwie war ich total unzufrieden. Je höher ich die Hose in die Taille gezogen habe, umso größer wurde dieser Knubbel an der Seite:


Das Gummiband ist auf der Nahtzugabe vom Gürtel festgenäht, und je weniger Zug auf dem Gummi war, desto mehr staute sich der Stoff. Ich fand es sehr bescheiden, bin zu meinem Mann und habe ihm die Hose präsentiert. Im Übrigen habe ich mir abgewöhnt, meinen Mann direkt auf Missstände aufmerksam zu machen. Ich zeige ihm stillschweigend meine Projekte, und dann kommt von ganz alleine, was ich hören will.
Meistens.
Zu der Hose sagte er: "Schick! Die sieht toll aus! Perfekt für den Strand."
Da habe ich ihn angesehen, zeigte auf den Knubbel und sagte: "Und wie findest du das? Das ist doch Mist!"
Wir haben noch eine Weile hin- und herdiskutiert. Er fand die Hose toll, ich hätte sie am liebsten entsorgt.
Ich stand noch ein bisschen vor meinem Spiegel im Nähzimmer und habe dann beschlossen, den Gummi an anderer Stelle festzunähen, nämlich an der Seitennaht. Dummerweise habe ich die Seitennähte mit der Ovi schon versäubert, und eine Nahtzugabe war deswegen nicht mehr vorhanden. Also habe ich den Gummi mit einer sichtbaren Naht in Verlängerung der Seitennaht von außen festgesteppt. Und siehe da: Der Knubbel war weg.


Die Hose ist gesäumt und - obwohl meine innere Beinlänge genauso lang ist wie vorgesehen, wirkt die Hose bei mir nicht ganz so kurz wie in der Zeitschrift.

Um nochmal auf den Stoff zurückzukommen: Leinen lässt sich super plattbügeln, was ein großer Vorteil ist, denn durch die gelegte Falte und Taschen und Gürtel und Bund treffen doch recht viele Stofflagen aufeinander. Der Nachteil ist: Leinen fällt nicht so schön, weshalb es am Hintern nicht so prickelnd aussieht (was mein Mann natürlich auch komplett anders sieht).

Ich werde die Tage vernünftige Fotos machen und sie Euch zeigen. (Vermutlich dann auch ohne dicke Socken, aber es war echt kalt an dem Tag.) Und gucke nach, ob ich nicht vielleicht einen anderen Stoff habe, der besser fällt.

Wie entsteht der Juli-Schnitt, Teil II

Bei Burda gibt es ja diese "Kochlöffelmethode" - das Zusammennähen von ärmellosen Oberteilen, die mit einem Beleg abgefüttert sind.

Erfahrene Näherinnen verleiern die Augen, wenn sie von dieser Methode hören, legen die Anleitung der Burda beiseite und machen es anders. Das Ergebnis ist das gleiche, und vielleicht sind andere Lösungswege auch einfacher, aber ich wollte wissen, wie die Burda das meint.

Bevor YouTube, Facebook und Co. das Denken für uns übernommen haben, und man nur mal kurz googlen musste, um zig Lösungen zu sehen, blieb einem nix anderes übrig, als Step für Step das zu tun, was in der Anleitung steht.

Und das ist folgendes:

Die Besätze werden rechts auf rechts auf die Vorder- und Rückenteile gesteckt.
Am Reißverschlussschlitz mache ich folgendes (habe ich im Kurs bei Waldi gelernt):


Der Reißverschluss bleibt genau so, wie er ist, und der Besatz wird einfach um den RV rumgewickelt.

So sieht das von hinten aus.
Und ganz vorne - nicht da, wo die Nadel stickt, sondern wirklich ganz vorne - wird mit dem Nähen begonnen. Schön an den Ausschnittkanten entlang, und beendet wird die Naht hier:

2 cm vor der Schulternaht, sprich 3,5 cm im Stoff, wenn man die NZ noch berücksichtigt. Man kann auch vier Zentimeter vorher aufhören, aber diese 2 cm unterhalb der Schulternaht, die sollten es schon sein. Überall, bei den Vorder- und Rückenteilen.

Die Nahtzugaben werden zurück- und in den Rundungen eingeschnitten - bis dicht an die Naht.



Die NZ schneide ich übrigens nur da zurück, wo ich genäht habe. 


Wo jetzt noch keine Naht ist, kommt gleich eine hin, und dann würde mir die NZ fehlen.


Am Vorderteil wird bis in die Spitze eingeschnitten. Scharfe Augen erkennen die zwei Stiche, die zu viel sind. Das habe ich auch erst auf dem Foto gesehen, und danach habe ich die Stiche aufgetrennt, sonst lässt sich nämlich der Besatz nicht wenden - es klemmt, wenn man bei so was nicht auf den Punkt genau näht.

Also, der Besatz vom Vorderteil wird jetzt gewendet, der Besatz auf dem Rückenteil bleibt so. Das Vorderteil wird zwischen die Besätze vom Rückenteil geschoben.

Kann man das erkennen? Das Vorderteil ist zwischen die noch nicht gewendeten Besätze vom Rückenteil geschoben, die offenen Kanten von den Trägern liegen oben zusammen, rechts auf rechts.


Jetzt wird die Schulternaht gesteppt. Je mehr Platz man unterhalb der Schulternaht gelassen hat, desto mehr Stoff kann man zurückschlagen.


Es werden vier Schulternähte gesteppt, danach wird der innenliegende Stoff noch ein Stück nach oben gezogen.


Jetzt kann man auch erkennen, wofür ich die NZ habe stehen lassen. Denn genau dort wird jetzt der Stoff zusammengenäht.


Bei meinem Stoff funktionierte es auch ohne Hilfsmittel, aber wer möchte, kann durch die noch offene Stelle einen Kochlöffel schieben, und so die NZ auseinander bügeln. Er kommt also immer noch zum Einsatz, und ich weiß, dass er bei einigen Stoffen Gold wert ist.

Nachdem die letzten Öffnungen nun geschlossen sind, wird alles gewendet und gebügelt.
Danach sieht das Kleid dann so aus:


Jetzt nur noch schnell die Seitennähte schließen! 
Dazu müssen die Teile natürlich erstmal übereinander gelegt werden....


 ... und die Besätze werden nach oben gelegt. Dann wird wie folgt genäht:


Erst die Besätze, Nadel bleibt im Stoff, Füßchen hoch, Stoff drehen, Füßchen runter, und dann die Seitennaht schließen. 

Fertig!





Teil I zu dieser Entstehungsgeschichte findet ihr hier.
Tragefotos sind noch nicht gemacht, genauso wenig wie von meiner Hose. Beide Teile hängen aber schon bereit für den Fototermin am Schrank.

Verlinkt beim creadienstag

Entstehungsgeschichte Juli-Kleid

Die Hose aus der Fashion Style ist gesäumt, gebügelt und tragbar - aber ich habe noch ein paar Sorgenfalten am Bund. Da muss ich mal gucken, welchen Kompromiss ich eingehen werde.

Bis dato halte ich Euch mit einer Entstehungsgeschichte auf dem Laufenden.
Aus der Juli-Ausgabe der Burda habe ich mir Kleid Nr. 116B ausgeguckt.


Die Schnittführung gefällt mir sehr und ich denke - ich hoffe - ich werde nicht wieder an meinem altbekannten Schuhproblem scheitern.

Los geht´s.

Der Zuschnitt war schonmal eine Katastrophe.

1. Habe ich eine neue Folie, die nichts taugt. Zu dünn. Klebt überall fest und lässt sich schlecht schneiden. Ich brauche unbedingt wieder meine alte Folie, sonst liegen meine Nerven schon blank, bevor ich mit dem Nähen überhaupt angefangen habe.

2. Das Kleid wird bei einfacher Stofflage zugeschnitten. Bedeutet, ich muss auf dem Boden rumrutschen, und das finden meinen 40jähigen Knie gar nicht mehr so lustig.

Deswegen war ich auch schludrig beim Übertragen der Schnittteile auf den Stoff. Das hat sich natürlich gerächt, aber dazu später mehr.

Nachdem ich dann also alle Teile zusammen und die Belege mit Bügelvlies verstärkt hatte, konnte ich endlich mit dem Nähen anfangen.

Die Überrockbahn wird rechts auf rechts gefaltet, dass die Besatzkanten aufeinander liegen. Ich zeige es mal am Schnittmuster, da kann man es besser erkennen.

 Schnittteil Überrockbahn
 
 So wird es gefaltet
 
 Und unten an der Spitze wird das genäht

Die NZ wird zurück- und unten an der Spitze schräg abgeschnitten, damit man dann einen schöne Ecke hat.



Nur noch bügeln, und das war es auch schon, was mit diesem Schnittteil passiert. Jetzt wird die Überrockbahn links auf rechts auf die vordere Rockbahn gelegt. Oben und rechts ist es bündig, somit liegt die Überrockbahn automatisch an der Anstoßlinie.


Weiter geht es mit dem Riegel, dem Schnittteil Nr. 4. Der wird rechts auf rechts gefaltet und die lange Kante wird zusammengenäht (man kann es kaum erkennen, aber es ist schon zusammengesteppt).


Lt. Anleitung wird der Riegel jetzt auf die vordere Rockbahn gelegt...


... genau zwischen den Markierungen....


... und soll an den schmalen Kanten festgeheftet werden, aber das habe ich mir geschenkt. 
Ich habe jetzt erstmal am Oberteil die Abnäher genäht und dann das Oberteil rechts auf rechts auf die Überrockbahn gelegt.

Die obere Kante wird gesteppt, und zwar genau bis zur Anstoßlinie. Keinen Millimeter davor oder danach - genau auf den Punkt. Ich markiere mir das mit einer Nadel.

Kann man das erkennen? Das ist ein bisschen unscharf, aber an der Stelle, wo ich den Stoff vom Oberteil zurückziehe, da liegt die Überrockbahn. Und darunter das Vorderteil. 

Nach dem Steppen wird eingeschnitten. Das habe ich immer gehasst, weil ich Angst hatte, an der falschen Stelle den Schnitt zu machen, aber ohne Einschneiden geht es leider nicht.

Eingeschnitten wird nur das Vorderteil in der Ecke bis zur Naht. Bis zu dem Punkt, den ich mir vorher mit der Nadel markiert habe. Das hat den charmanten Effekt, dass ich jetzt am Vorderteil wieder eine komplette NZ habe, an der ich ganz bequem mein Oberteil festnähen kann.

Aber bevor ich das mache, kommt natürlich noch der Riegel dazwischen. 


Hier habe ich übrigens gemerkt, dass ich nicht so sauber und akkurat zugeschnitten habe. Meine Nahtzugabe vom Oberteil war etwas knapp und es war ziemlich kniffelig, von der Ecke raus bis hoch zum Armloch zu nähen, aber es ging. 

Prinzipiell ist bei diesem Arbeitsschritt ein bisschen Geduld und Spucke gefragt. Damit es am Ende auch wirklich ordentlich aussieht, muss tief genug - nämlich bis genau vor die Naht - eingeschnitten werden, man muss die Teile in die Hand nehmen und ein bisschen "zurechtschütteln", damit der Stoff wirklich glatt liegt, denn nur so bekommt man eine saubere Ecke hin. Und man darf wirklich keinen Stich zu viel machen, sonst klemmt es.

Hier habe ich nochmal einen Extra-Post zum Thema "Ecken nähen".

Nach dieser schwierigen Passage geht es jetzt erstmal etwas ruhiger weiter.

An den Rückenteilen und an den rückwärtigen Rockteilen werden die Abnäher gesteppt und anschließend werden die Teile zusammengenäht. Hier wird extra die Nahtzahl 3 erwähnt. Früher hat mich das extrem irritiert, aber inzwischen weiß ich, dass das nur ein freundlicher Hinweis ist, damit man wirklich darauf achtet, die richtigen Teile zusammenzunähen. Ich male die Nahtzahl übrigens immer noch mit ab.
Nur für den Fall der Fälle :)

Dann kommt der Reißverschluss (der mir dieses Mal nicht so gut gelungen ist, aber dank des Musters wird es kein Mensch sehen) und die rückwärtige Mittelnaht wird geschlossen.

Die nächste Hürde sind die Belege. Aber dafür mache ich einen neuen Post.
Also, bleibt dran und erfahrt, warum der Kochlöffel aus dem Nähzimmer verschwindet. Und wie das Kleid fertig gestellt wird.  

Aber was ich mit der Hose mache... ich weiß es immer noch nicht.