Der Nähkurs mit Waldi

Am vergangenen Wochenende habe ich an einem Nähkurs teilgenommen.
Hier habe ich schon davon geschrieben und von meinen Plänen berichtet.

Natürlich habe ich nur einen Bruchteil von dem gemacht, was ich vorhatte. Es kommt ja immer anders, als man denkt.

Der Kurs begann morgens um halb zehn. Wir waren insgesamt sechs Mädels, wobei die anderen fünf schon oft zusammen genäht hatten. Die Stimmung war dementsprechend gut, wir waren alle sofort per du - auch die Kursleiterin nahm mich direkt in den Arm und sagte: "Ich bin die Waldi."

Jetzt muss ich dazusagen, dass meine Mutter schon zig Jahre bei Waldi Kurse macht, von ihr total begeistert ist und mir deswegen den Kurs geschenkt hat. Und meine Mutter hat auch im Vorfeld der Waldi so viel über mich erzählt, dass Waldi mich praktisch auch schon in- und auswendig kannte.

Also, die Stimmung war ausgelassen, wir sind in den Kursraum, haben ausgepackt, unsere Schnitte vorgestellt und dann mit einem Gläschen Sekt auf Gutes Gelingen angestoßen.

Jetzt isses so: Waldi kommt aus der Industrie-Näh-Branche. Da geht alles ruck-zuck, da MUSS alles ruck-zuck gehen. Da ist keine Zeit für zweimal hinfassen und dreimal kontrollieren. Mein letzter Nähkurs war genau das Gegenteil. Hier wurde mir gezeigt, wie ich mit Kopierpapier die Abnäher exakt einzeichne - Waldi verleierte die Augen, machte mit Kreide und Lineal zwei Striche und - zack! - das wars. "Und jetzt nähst du von hier nach da und dann ist das Ding auch fertig!"

Ich hätte mich das nicht getraut. Ich hätte meine Abnäher schön eingezeichnet, abgesteckt - kontrolliert! - und dann genäht.

Überhaupt. Waldi und die Stecknadeln. Ich weiß nicht, wie oft sie mir die Nadeln rausgezogen hat. "Das brauchst du nicht. Du steckst dir hier die Nadel, du hast hier einen Zwick und da einen Zwick - das reicht."

Und auch hier habe ich wieder ganz deutlich den Unterschied zum letzten Kurs gemerkt: Waldi steckt die Nadeln quer zur Stoffkante, beim letzten Kurs hieß es, wir sollen die Nadeln längs stecken. Dass sich hier die Geister scheiden, ist mir schon oft aufgefallen.
Ich persönliche entscheide das spontan. Es gibt Stoffe, da stecke ich quer, es gibt welche, da stecke ich längs.

Und es gibt Schnitte, da stecke ich viel. Sehr viel. Ich meine, ich hätte irgendwo hier auf dem Blog ein Bild von einer gesteckten Armkugel, die ich mit mindestens 200 Stecknadeln fixiert habe. In meinem ersten Nähkurs hieß es ganz oft: "Stecknadeln sind eure Freunde. Nutzt sie."

Jede Kursleiterin macht es halt anders, aber alle machen es gut. Natürlich habe ich auch bei Waldi wieder den ein oder anderen Trick gelernt, den ich dankbar angenommen habe und auch weiter nutzen werde. Diese Tipps sind nämlich unbezahlbar und stehen in keinem Buch und in keiner Anleitung.

So, und jetzt zu meinen Projekten.
Auf alle Fälle wollte ich das Hemdblusenkleid nähen, wegen dem Kragen. Hach, was war mir das wichtig. Na ja. Es liegt unangetastet in der Tasche.
Und auch das Einfassen mit Jerseystreifen wollte ich mir un-be-dingt zeigen lassen. Auch dieser Schnitt tummelt sich beim Hemdblusenkleid. Unangefasst selbstverständlich.

Statt dessen habe ich einen Overall genäht. Zwar nicht den, den ich ursprünglich ins Auge gefasst hatte, aber immerhin: Er ist fertig, sitzt, passt, wackelt und hat Luft - und gefällt mir ausgesprochen gut. Hier schonmal eine kleine Vorschau, morgen beim MeMadeMittwoch gibt es mehr dazu:

Im Anschluss daran habe ich noch ein Kleid genäht - wenigstens ein Projekt, das ich 1:1 umgesetzt habe:

Das ist noch nicht ganz fertig, der Besatz fehlt und ich muss es noch umnähen, aber wir haben es angepasst, und das war mir sehr wichtig. Diese Arbeitsschritte nochmal zu sehen war sehr gut. Das letzte Mal, bei dem etwas anpasst wurde, ist wirklich schon sehr lange her.
Waldi hätte noch viel mehr bei dem Kleid angepasst, aber ich hatte den Stoff schon zu Hause zugeschnitten. Von daher habe ich ihr die Möglichkeit genommen, das alles korrekt zu machen. Aber ich finde, wir haben es trotzdem sehr gut hinbekommen.

Und jetzt noch ein kleiner Insider:
Hallo Waldi, Deine Augen trügen Dich nicht, ich habe mir zu Hause direkt mal meinen Tisch an die Maschine geschoben. Viele liebe Grüße und nochmal Danke für alles. :-*


Kommentare:

  1. Beide projekte sehen sehr interessant aus:-) auch beide stoffe sind super schön!
    zu den stecknadeln kann ich dir folgendes sagen. keine profischneiderin setzt die nadel quer, es sei denn das sind die stellen, wo eine naht exakt auf die andere treffen muss-das sind die ausnahmefälle. beispiel: du nähst eine taillennaht und hast am rock und am oberteil abnäher,die aufeinander treffen MÜSSEN. oder beide seitennähte. das sind die fälle wo es quer gesteckt wird.
    so änlich passiert es auch im ärmel. 3 punkte werden gesteckt: ärmelkugelspitze, seitennahtstelle unten(mit oder ohne, d.h. mit vorverlegten naht) und kontrollpunkt vorne. sonst wird es immer längst gestckt. dafür gibt es mehrere gründe. zu einem schädigst du sowohl die nähmaschinennadel als auch die stecknadel,wenn sie einander scheuern. das merkt man sehr schnell wenn man mit derselben nadel seide oder chiffon näht-sie sind angekratzt und ziehen fäden, werden rau. zum anderen man gefärdet die nähnadel,die brechen kann,wenn sie auf stecknadel trifft. und zu gute letzt, selbst wenn maschinennadel nicht die stecknadel trifft,so versucht sie auszuweichen,somit,wenn du den stoff vor den augen in eine grade ziehst, ist die naht kaum pefekt grade. ausserdem gibt es praktishce gründe: die linie der stecknadel markiert den nähweg, sichert besser die stofflagen und der stoff kann man besser unter den nadel verteilen-vorrausgesetzt man zieht die nadel nicht zu frühr raus(wie das die meisten tun),sondern kurz bevor die nähmascjhinennadel auf die spitze der stecknadel trifft.
    ich wünschte ich könnte genau so viel gründe pro quer-stecken nennen- kann ich aber nicht..

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  2. Da hört sich klasse an und die beiden Kleider sehen sehr schön aus. Das Kleid mit den Federn gefällt mir besonders. Schön, dass Dir der Kurs so gut gefallen hat und es dort eher sportlich im Sinne von nicht 3x kontrollieren bevor genäht wird, zuging. Manchmal kann man sich bei aller Vorsicht und Akuratesse auch selber im Weg stehen... LG Kuestensocke

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  3. Da bist Du ja bestens gewappnet für den Sommer! Bin gespannt auf weitere Bilder.
    Ja, es ist gut, mal unterschiedliche Herangehensweisen kennenzulernen. Bestimmt lernt man so einiges dazu, vielleicht ja auch effektiveres "Arbeiten".
    LG Judy

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Vielen Dank für Deinen Kommentar. Ich freue mich sehr darüber!