... und es hat ZOOM gemacht!

Viele von Euch werden sie kennen: Die UFO-Kiste. Ein kleiner, versteckter Ort, wo die Projekte schlummern, bei denen irgendwas nicht funktioniert. Oder die nicht so passen, und bei denen etwas geändert werden muss. Kurzum: Teile, die unliebsame Arbeiten für einen bereit halten.

Ich hatte auch so eine Kiste. Da lag ne Menge drin, von einfachen Oberteilen über Kleider bis zur Hose. Bei dem einen hab ich die Anleitung nicht weiter verstanden, beim anderen war abzusehen, dass es mir so nicht gefallen wird, und das Teil hier, das muss nochmal überarbeitet und angepasst werden. Mach ich alles die Tage, irgendwann finde ich Zeit und Lust.

Wisst ihr was? 
Am Arsch die Räuber.

Nix davon hab ich je wieder aus der Kiste hervorgeholt. Eingestaubt sind die Sachen. Und Platz haben sie mir auch weggenommen.
Deswegen habe ich vor ein paar Monaten alle - ALLES - was nicht passt, nicht gefällt und nicht fertig wird, entsorgt. Das war einiges, und es tat mir nicht mal leid.
Inzwischen ist es nämlich so: Wenn ich irgendwo nicht weiterweiß, dann lege ich das Teil nicht mehr mit dem Gedanken "irgendwann kümmere ich mich" in die Ecke.

Ich mache einen oder zwei Tage Pause, bekomme meinen Kopf wieder frei, und dann nähe ich weiter. Wenn es dann immer noch nicht klappen sollte, oder ich das Teil völlig ruiniere, kann ich es immer noch entsorgen - aber dann bin ich um eine Erfahrung reicher! Ich scheue mich nicht mehr davor, etwas "falsch" zu machen. Ich kann nur gewinnen, wenn ich weitermache.

Bei dem Shirt Nr. 13 aus der Fashion Style 07/2016 habe ich eine Erfahrung gemacht - und zwar eine gute. Eigentlich wollte ich das im Nähkurs machen, und mir zeigen lassen, wie das mit dem Einfassen / Versäubern bei Jersey funktioniert. Theoretisch weiß ich es ja, aber praktisch klappt es halt nicht.

Nachdem Overall und Kleid nun fertig waren, aber leider die komplette Kurszeit in Anspruch genommen haben, schnitt ich mir das T-Shirt zu Hause zu und habe mich an die Arbeit gemacht. Abnäher, Schulter- und Seitennähte waren schnell genäht. Das T-Shirt passte, also wollte ich nun den Halsausschnitt versäubern.
Erstmal ganz klassisch nach Anleitung - mit der Zwillingsnadel. Hat nicht funktioniert. Ist auch ehrlich gesagt so überhaupt nicht meins, weil sich der Stoff unschön zwischen den Nähten zu einer Wurst zusammenzieht und ich keine Lust und Nerven habe, so lange an Maschine und Nadeln rumzuspielen, bis ich die passenden Einstellungen habe. 
Also beschloss ich, einen Schrägstreifen zuzuschneiden. Vielleicht hätte das ja geklappt - aber das Shirt hat einen U-Boot-Ausschnitt. Und ich weiß nicht, ob es möglich ist, diesen Ausschnitt damit zu versäubern. Ich hab es jedenfalls nicht hinbekommen.

Normaler Weise wäre das Shirt jetzt in die UFO-Kiste geflogen.
"Irgendwann weiß ich, wie es geht, dann mache ich es fertig."

Nix da.
Ich räumte meinen Kram zusammen, legte eine Pause ein und nach zwei Tagen nahm ich mir vor, das Shirt fertig zu nähen. Egal wie. 
Und dann geschah etwas seltsames: Ich räumte meine Coverlook hervor, fädelte ein und - coverte!

Als hätte ich noch nie etwas anderes gemacht. Die Nähte waren schön, es verhedderte sich nichts, es verknotete sich nichts, die Cover schnurrte wie eine Katze.
Ich hab die Maschine schon Jahre bei mir stehen, hab drei oder vier Anläufe gemacht, aber ich wurde nicht warm mit ihr. Irgendwas ging immer schief, und so stellte ich die Cover ganz schnell wieder zurück. 
Warum es jetzt funktionierte, weiß ich nicht. Vielleicht hab ich das erste Mal in meinem Leben richtig eingefädelt. Vielleicht stimmte einfach der Stoff mit der Einstellung der Maschine überein. 
Nach zwei Probenähte war ich mutig genug, änderte noch ein bisschen die Stichlänge und säumte die Ärmel.
Dann öffnete ich die Schulternähte und säumte jeweils Vorder- und Rückenteil, weil es zusammen in einem Rutsch einfach nicht ging. Völlig euphorisch nähte ich die Ärmel am unteren Armloch fest und coverte dann das obere Armloch. Und weil ich es noch nicht so raushabe, wie ich eine Covernaht sichere, die mitten im Stoff aufhört, hab ich einfach weitergemacht, und das untere Armloch mitgecovert. So begann und endete die Naht oben an den Schultern, und die musste ich ja sowieso zusammennähen. 
Ihr könnt euch vielleicht vorstellen, wie happy ich war, als ich das T-Shirt anzog und nichts labberte oder abstand. Es war einfach perfekt.


Okay, es ist natürlich die 08/15-Version, einfach die Nahtzugabe umzuklappen und festzunähen. Aber es ist sauber, es ist ordentlich und - was das beste ist - es ist tragbar.
Was sich jetzt so liest, als wäre das in einer halben Stunde geschehen, dauerte fast drei. Aber davon stand ich mit Sicherheit eine halbe Stunde vorm Spiegel und habe mein neustes Werk bewundert und es von allen Seiten fotografiert.



Natürlich habe ich auch richtige Tragefotos gemacht:






Ich bin so froh, dass ich mich dazu durchgerungen habe, die Cover hervorzuholen. 
Wer weiß - vielleicht war das endlich der Funke, der unser Liebe jetzt aufflammen lässt?

Verlinkt beim creadienstag

Kommentare

  1. das shirt steht dir sowas von gut!wie für deine figur gemacht! und mit kurzer jeans auch toll!
    eine UFO-kiste habe ich nicht:-)aber paar UFO's schon. ich beende sie alle. manche müssen bei mir wie guter wein reifen:-))) meine UFO's haben fast immer den selben grund: ich schneide mehr zu, als ich zum zeitpunkt nähen kann und dann ist season vorbei. daher hole ich es nächste season wieder raus:-)
    meine freundin hat mir letzte woche berichtet, sie ging in den keller,um seidenrest zu holen,um die nahtzugaben einzufassen(so jeder hat seine vorleiben- bei ihr ist das einfassen). Sie holte einen koffer und wunderte sich,dass er so schwer ist..sie machte ihn auf und ihr spangen entgegen 25 UFO's,die sie absolut vergessen hat. das meiste war aus feinen stoffen , überwiegend marken italienische seide. da sie schon in den wechseljahren ist und mit gewicht kämpft,war ihr auch klar, dass selbst wenn sie es beenden würde, passt sie beim besten willen nicht mehr rein. sie setzte sich hin und bekam erstmal einen heulkrampf.nach 2 tagen hat sich sich beruhigt und plan gefasst.der sieht vor,dass sie alles irgendwie mit kombination mit den anderen stoffen umnäht, umarbeitet, mitfliessen lässt..

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    1. Da wäre ich auch in Tränen ausgebrochen. Meine Güte, einen ganzen KOFFER voll unvollendeter Werke ist wirklich viel. Ich hoffe für sie, dass sie so viel wie möglich davon retten kann.

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  2. Das ist ja super! Du hast sozusagen den Ufos den Rückzugsort genommen, und damit musste sich das Shirt ergeben. Dann hoffe ich mal mit, dass sich der Erfolg mit der Cover fortsetzt. Die Abschlüsse sehen wirklich gut aus.

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  3. Hallo,
    das T-Shirt sieht super aus. Die Zeitung müsste ich auch haben, aber irgendwie habe ich diesen Schnitt gar nicht wahrgenommen. Da muss ich doch noch mal genau nachsehen.
    Liebe Grüße
    Silke

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