Von Misserfolgen, Erfolgen und Erleuchtungen

Auf das vergangene Wochenende hatte ich mich so richtig gefreut. Keine Termine, keine wichtigen Erledigungen, kein gutes Wetter. Die besten Voraussetzungen, mich in Küche und Nähzimmer so richtig auszutoben.

Gebacken

Ich habe mich an mein erstes Sauerteigbrot gewagt. Seit einiger Zeit hege und pflege ich Roggen- und Weizenteige als Anstellgut, aber ich fand noch nicht die Muse zum Backen. Am Freitag war es soweit. Das Dreierbrot von Lutz Geißler erschien mir passend, und so verrührte ich Anstellgut mit Mehl und Wasser und stellte das Töpfchen ins Bad, der wärmste Raum im Haus. Nachdem der Sauerteig reif war, buk ich damit mein Brot, und vom Ergebnis bin ich hin- und hergerissen.

Die Größe ist schonmal nicht schlecht, aber es ist relativ platt. Vom Anschnitt bin ich überrascht; ich hatte gedacht, es ist noch viel kompakter. Geschmacklich bin ich zufrieden.

Vielleicht ist mein Sauerteig doch nicht triebfähig genug, und ich muss einfach noch ein paar Gramm Hefe zum Teig dazugeben. Und dem Teig bei der Stückgare noch ein bisschen mehr Zeit lassen.

Genäht

Für meinen "Favorit des Monats - Februar" will ich noch ein Shirt aus der Fashion Style 01/2018 nähen. Stofftechnisch habe ich nicht ganz das gefunden, was mir eigentlich vorschwebte, aber ich fand, es war ein guter Kompromiss.

Die Schnitte aus der FS fallen groß und vor allen Dingen breit aus. Also habe ich das Shirt eine Nummer kleiner abgepaust und zusätzlich aus der hinteren und vorderen Mitte 2 cm rausgenommen. Ich habe die Teile auf den Stoff gelegt, zugeschnitten und schon bei der ersten Naht (die Brustabnäher) habe ich gemerkt, dass der Streifenstoff nix für diesen Schnitt ist. Natürlich entsteht durch den Abnäher ein Absatz im Streifen, und das sieht nichts aus. Außerdem wurden die unteren Teile auch nochmal auseinandergeschnitten - wahrscheinlich um einen besseren Fall zu erzielen. Dann passt natürlich auch nicht mehr Streifen an Streifen. Mein größter Fehler war allerdings, dass ich Teile verkehrt herum auf den Stoff gelegt habe. Wenn man unten mit oben vertauscht, dann ist der Ofen erst recht aus. Zuerst dachte ich, ich hätte bei der Schnittanpassung etwas falsch gemacht, aber dann dämmerte es mir. Trotzdem habe ich das Teil fertig genäht und anprobiert. Es sieht mies aus, aber es passt.

Man kann erahnen, wie ich es gerne gehabt hätte, aber so geht das natürlich überhaupt nicht. Unruhig, chaotisch, grauenvoll. Aber der Rücken ist gar nicht schlecht.


Der Stoff war günstig,  und ich habe noch ne Menge übrig, weil ich die Ärmel erst gar nicht zugeschnitten habe. Das reicht bestimmt nochmal für ein schlichtes Shirt (ohne Brustabnäher). Ganz so schlimm finde ich es nicht, dass ich das erstmal in den Satz gesetzt habe; immerhin stimmte die Passform. Neuer Stoff ist jetzt bestellt und ich hoffe, er kommt noch rechtzeitig.

Mein zweites Projekt an diesem Wochenende war die Bluse 108 aus der Februar-Burda.

Den Halsausschnitt fand ich richtig toll. Ich habe eine ähnliche Kaufbluse, die ich total gerne anziehe. Umso mehr hatte ich mich gefreut, endlich ein paar mehr Blusen in dieser Art haben zu können. Leider wird das erstmal nix. Nicht mit dem Schnitt. Die Halsblende wird nämlich nicht mit einem Gummiband genäht bzw. wird kein Gummiband durchgezogen, sondern die Blende wird oben und unten gekräuselt. Mein Stoff ist wirklich schon sehr dünn, aber entsteht trotzdem ein ziemlicher Wulst. Außerdem ist es mir die Raffung nicht sonderlich gut geglückt. Ehrlich gesagt dachte ich, das würde nicht so ins Gewicht fallen. 



Der Halsausschnitt ist recht weit und kippt zudem nach vorne um, weil die Kräuselblende halt doch ein bisschen Gewicht hat. Die Variante mit der glatten Halsblende wirkt auf einmal sehr verführerisch auf mich....

Verstanden

Aber ich hatte auch eine kleine Erleuchtung am Nähtisch.
Ich nähe nun schon seit ein paar Jahren, das meiste nach Burda. Die Anleitungen sind längst nicht mehr so kryptisch für mich, wie sie am Anfang waren, aber vieles verstehe ich erst, wenn ich die Teile in der Hand habe und nähe.
Was ich bei Burda geradezu liebe und immer schön brav mit abmale, sind sämtliche Markierungen und Nahtzahlen. Aber was genau bedeutet es eigentlich, wenn in der Anleitung explizit auf eine Nahtzahl hingewiesen wird? Bis gestern habe ich das zwar immer gelesen, aber nie den wahren Sinn verstanden - geschweige denn hinterfragt. Bis ich die Schulternähte bei den Halsblenden der Bluse nähte. Wie Schuppen fiel es mir von den Augen.

Als Nähanfängerin habe ich immer die Stoffe an den Ecken und Enden aufeinander gelegt und dann gesteppt. Das geht bei geraden Teilen auch super, aber sobald eine Kurve drin ist, ist es mit den Ecken und Enden vorbei. Ich dachte anfangs immer, die Teile passen alle exakt aufeinadern und wenn es nicht passte, dann habe ich die Teile halt immer ein bisschen zurechtgeschnitten.
Bei meinem ersten Nähkurs hatte die Kursleiterin meine Burdaanleitung direkt mal ganz weit weggeschoben und mir wurde nichts - aber auch gar nichts - aus dieser Anleitung übersetzt. Als ich dann im Kurs ein Halsbündchen genäht habe, hat mir die Kursleiterin die Teile aufeinander gelegt, mit den Worten: "Du musst das ein bisschen drehen, damit die Strecke gerade wird."


Mein Beispiel ist nicht das beste, deswegen habe ich mit Rot die Kanten der Nahtzugabe markiert. Am Ende liegen sie nicht aufeinander. Man muss die Schnitteile ein bisschen drehen. Somit entsteht eim Schnittpunkt die Stelle, an der die Naht beginnt (Nahtzahl 1).

Der Hinweis auf Nahtzahlen in der Burda bedeutet nichts anderes. "Drehe Deine Stoffteile ein bisschen gegeneinander, so dass die Nahtzahlen aufeinander liegen, und kümmere Dich nicht darum, dass die Ecken und Enden aufeinander passen."

Ich habe das irgendwann automatisch gemacht, aber nie eine Verknüpfung zu dem Hinweis in der Anleitung hergestellt. Bis gestern. Manchmal dauert es halt ein bisschen länger. 

Kommentare

  1. den letzten satz hab ich irgendwie überhaupt nciht verstanden,wie du das meinst.
    also, ich kann dir brief und siegel geben,dass die teile nie zurecht schneiden darf,wenn eins davon länger geworden ist.
    der grund,warum etwas nicht zusammen passt ist der, dass manche teile anderen fadenlauf haben und sich im folge dessen leicht während des arbeitens dehnen.
    um das zu vermeiden , prädige ich immer wieder :
    zuerst anfang zu verbinden, dann das ende. und alles was dann auf der strecke ist- muss gleichmässig verteilt werden.
    Denn, A und O ist,dass die Burda teile in sich exakt zueinander passen. so muss es auch bei dir sein!
    dass die teile gar nciht zueinander passen,wo sie passen sollten, hab ich nur bei patrones erlebt:-)

    dein streifenteil sitzt sehr hübsch an dir!
    dass die streifen von abnäher gebrochen werden- ist total normal- geht ja nicht anders, das würde bei karo ebenfalls passieren.
    wenn du durch die mitte die naht gelegt hättest, hättest du spiegelverkehrt machen können- wäre auch ein hübscher effekt.

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    1. Stimmt, man darf die Teile nicht zurechtschneiden. Das ist nicht richtig.
      Ich meine das so: Das Halsbündchen ist nicht gerade, sondern gebogen. Wenn man ein vorderes und rückwärtiges Halsbündchen 1:1 aufeinanderlegt, die Schulternähte steppt und das ganze wieder auseinanderklappt, dann hast Du einen Versatz bei deinen Teilen. Diesen Versatz habe ich früher immer weggeschnitten. Wenn man die Teile aber nicht 1:1 aufeinander legt, sondern ein bisschen versetzt aufeinander legt, dann treffen die Nahtzahlen aufeinander, und nach dem Steppen hat man keinen Versatz.

      Das Streifenteil nähe ich nochmal, aber mit Pünktchenstoff. Da fallen die ganzen Nähte und Abnäher nicht auf :)

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    2. na eigentlich nicht.
      wenn du alles richtig zuschneidest und nähst, sollten beide teile identisch aufeinander liegen.
      was ich immer empfehle, insbesonderen,wenn man eine korrektur an der schulter durchführt, dass man die belege nach dem gegebenem ausschnitt inkl. halsausshcnittzugaben schneidet.
      denn wenn man am hals 1 -2 mm weniger und am beleg 1-2mm mehr nahtzugaben hinzuf+gt, kann schnell passieren ,dass der beleg sich hebt,weil die radien dadurch unterschiedlich gross sind. ein weiterer grund,warum deine belege ungleich gross sein können ist,wenn man einlage aufbügelt und dabei nicht den papiershcnitt damit zusammensteckt. grade vleiseline und nicht klebebatst führen zu deformation der teile.

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    3. P.S. könntest du mir bitte sagen wo du den stoff für oberteil bekommen hast? ich bräuchte 1,5m.
      ist das BW-stretch-satin?

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    4. Ich glaube, wir reden aneinander vorbei :)))
      Die Nahtzugaben vom hinteren und vorderen Halsbeleg liegen nicht exakt aufeinander, wenn man die Schulternaht steppt.
      Oder noch ein anderes Beispiel: Vorderteil und seitliches Vorderteil. Hier steht die NZ vom seitl. VT auch über und man muss die Nahtzahlen aufeinander legen.
      Ich mache heute Abend mal Fotos und einen extra Post.

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    5. müssen sie aber! wenn sie das nciht tun, dann sollte man zuerst am hals entlang stecken sowohl an dem oberteil als auch an dem beleg und dann jeweils die seite die schulterneigung am beleg dem oberteil anpassen,damit die schulternaht die gleiche neigung hat.
      aber eigentlich sollte es von vorneheris da gar keine differenzen geben. es sei denn ,du hast an der schulternaht etwas verändert.

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    6. Ich rede nicht davon, die Halsbündchen am Ausschnitt anzunähen, sondern von der Schulternaht bei den Halsbündchen.
      Natürlich passt der vordere Beleg exakt auf das Vorderteil und der hintere auf das Rückenteil. Ich mache ein Post und Fotos.

      Der Stoff ist von Stoff & Stile. Es ist definitiv kein Baumwoll-Stretch, sondern Viskose-Jersey.

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  2. Ach schade mit dem STreifenoberteil. Ein anderer Stoff ist sicher besser geeignet, bei Streifen müsste man sehr viel rechnen und probieren bis es mit dem richtigen Versatz an der Taille usw. passt. Dein Brot sieht sehr schmackhaft aus.... hm das muss auch herrlich duften. LG Kuestensocke

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  3. Ich glaube auch, dass du das nochmal mit Fotos erklären musst, damit klar wird, was du meinst. Zu deiner Burdabluse 108: Ich habe sie auch genäht (erscheint dann bei dir als Favorit des Monats) und der Kräuselblende nicht getraut, obwohl sie bei Burda schön aussieht. Ich habe also die glatte Blende gewählt und auch die Ärmelblenden glatt gearbeitet, damit beides harmoniert. Die Mehrweite an der Ärmelkante habe ich in zwei Fältchen gelegt.
    Respekt vor deinen Brotbackkünsten!
    LG
    Siebensachen

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  4. Ich glaube zu verstehen, was du mit der Erklärung zur Burda-Anleitung meinst :)

    Den Streifenstoff für das Shirt finde ich eigentlich gut. Vorne gefällt es mir auch mit den versetzten Streifen bei den Annähern gut. Da gebe ich Julia recht, das geht gar nicht anders. Wie die Streifen an der Seitennaht versetzt aufeinandertreffen, würde mich auch eher stören. Vielleicht das untere Rückenteil nochmal zuschneiden? Oder passen dann die Streifen hinten nicht mehr aufeinander? Ein bisschen wie Puzzle spielen;)
    Auf jeden Fall macht das Teil eine tolle Figur!
    LG
    Friedalene

    Friedalene

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  5. Den Bildern in der Burda nach zu schließen habe ich auch gedacht, der Kräuselausschnitt wird mit Gummiband erzielt.
    Nun ja; ich wollte die Bluse auch nähen und werde dann ganz sicher die "glatte" Blendenoption wählen.
    LG von Susanne

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