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Warum ich nähe

Hin und wieder merke ich, dass diese unausgesprochene Frage in der Luft hängt: "Kannst Du Dir Deine Klamotten eigentlich nicht KAUFEN? Musst Du das denn wirklich NÄHEN?"

Die Antworten darauf wären "Doch!" und "Ja!!!"

Allerdings habe ich eine andere Einstellung dazu, seit ich selber nähe.


Ist es das Finanzielle?

An das Nähen von Kleidung bin ich eher zufällig geraten, es war kein Vorsatz nach dem Motto: Ich nähe jetzt selbst, weil mich die Industrie eh nur verarscht!

Klar kann ich mir Klamotten kaufen. Das tue ich hin und wieder auch. Allerdings gehört das Klamotten-Shoppen nicht zu meiner Lieblingsbeschäftigung, und ich war auch nie der Mensch, der immer mit der Mode gehen und sich deswegen zweimal im Jahr komplett neu einkleiden muss.

Jeder, der schonmal Meterware gekauft hat, kennt die Preise. Günstig ist vernünftiger Stoff wirklich nicht. Es rechnet sich unterm Strich definitiv nicht, wenn ich mir einen Rock selber nähe, anstatt ihn zu kaufen. Ich brauche nicht nur Stoff, sondern auch einen Schnitt, Kopierpapier, vernünftiges Garn - und Zeit. 

"Kannst Du Dir nicht eben mal schnell selbst einen Rock nähen?" ist also nicht der Fall.
Und schon gar nicht "Kannst Du MIR nicht mal eben schnell....." Klingt ganz schön egoistisch, und das ist es auch. 

Kleidung selbst nähen ist definitiv teuerer, als die Kleidung von C&A, H&M und wie sie sonst so heißen.

Natürlich hat das Selber nähen den Vorteil, dass ich nicht ewig nach dem perfekt passenden Kleid suchen muss. Ich kann es mir passend machen. Auch muss die Hose nicht erst noch beim Schneider gekürzt werden. Und ich werde nie - wirklich nie - einen Rock-Zwilling treffen, was für manche ja ein absoluter Albtraum ist. Alles, was ich mache, gibt es nur einmal auf der Welt, und das ist in meinem Schrank. Klar nähen andere auch die Burda / Ottobre / Simplicity-Schnitte, aber ganz bestimmt mit anderen Stoffen und Farben. 


Fehlt nicht die Marke?

Kleider machen Leute - das war wohl schon immer so.

Für mich unvorstellbar, aber es gibt Menschen, die ausschließlich Markenklamotten tragen - aus welchen Gründen auch immer. Das teuer nicht gleich gut und fair bezahlter Lohn ist, hat uns die Vergangenheit ja schon oft gezeigt. 

Trotzdem scheinen die Namen und Labels ein Aushängeschild zu sein, hinter dem sich der Mensch verstecken kann: Ich trage XYZ, also bin ich auch etwas wert. 

Ich kann nicht die Gesellschaft auf den Kopf stellen und die Leute aufklären, wie schwachsinnig diese Auffassung ist. Ich kann nur für mich entscheiden, dass ich keine Marke brauche, um ein vollwertiger Mensch zu sein. Wer mich nur mit Marke im Pulli akzeptiert, der kann mich mal. 
 

Und sonst so?

Nähe ich einfach weiter, ungeachtet der Blicke, die man ernten kann, wenn man selbstgenähte Klamotten trägt. Es macht mir einfach Spaß, etwas selbst zu erarbeiten. Es macht mir Spaß, Stoff zu kaufen und davon zu träumen, was darauf wohl alles werden könnte.

Außerdem gibt auch solche Leute, die selbstnähte Kleidung bewundern, und es auch zu schätzen wissen, was da für Arbeit drin steckt. Wenn es dann ein Kompliment gibt, freut es mich ungemein!



Kommentare

  1. Na hallo, das ist ja mal ein statement!
    Kann ich unterschreiben, jedes Wort. ;-) Wenn ich darf. :-)
    Kompliment für den schönen Blog, auf dem begeisterte Näherinnen den einen oder anderen goldwerten Tip entdecken kann.
    Viele Grüße, Sathiya

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  2. zum Thema.... fehlt da nicht die Marke... Meine, die Marke bist Du selber ; )

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  3. Toll geschrieben - dem kann ich mich nur anschließen. Und Spaß macht das Selbermachen auch - zumindest großteils ;-)
    liebe Grüße Steffi

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  4. Ich kann dir voll zustimmen, hast du sehr schön geschrieben!
    Zum Glück sind mir bis jetzt nur Menschen begegnet, die das positiv sehen, das ich meine Kleidung selbst nähe.
    Es ist einfach ein schönes Hobby und wir lassen uns den Spaß nicht verderben. ;-)

    Lieben Gruß
    NähKäthe

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